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Eine eher zufällige Begegnung. Seit geraumer Zeit lag ein schmaler Band auf meinem Nachttisch (»Ach, Liebste, flieg mir nicht weg«. Briefe an Gesche). Durch eine Rezension neugierig gemacht, hatte ich das Büchlein erworben. Und dann wohl einfach vergessen. Beim Umsortieren der Stapel fiel es mir wieder in die Hände. Ich blätterte – und sah mich fest. Janssen, sicher keine einfacher Mensch, aber ein Wortkünstler und Kunstzauberer. Die intimen Briefe und Notizen sind voller Ichbezogenheit, Skurrilität, Witz, aber auch Wärme. Grüblerisch und aggressiv, liebevoll und versponnen. Hängengeblieben bin ich aber auch und vor allem an den Zeichnungen. Hach.

So ging ich auf Janssen-Suche: Bildergalerien online geschaut, Bücher erworben, geblättert. Fassungslos. Eine bildnerischen Gewalt, die mittels Linien und Schraffuren erzeugt wird. Mit Zeichenstift und Ritzgriffel. Solch einer berührenden Virtuosität bin ich schon lange nicht mehr begegnet. Horsten Janssen nicht gekannt zu haben, qualifiziert mich vermutlich als jemanden, der nichts vom Kunstgeschäft versteht. Aber ich habe ihn gefunden – das macht mich glücklich.

Und ich verrate es jetzt: Ich habe mir eine ganz klitzekleine, wunderschöne Radierung von ihm geleistet. Einfach. Meisterhaft. Nur eine Schote. Eigentlich …