Wolken in der Kunst

von | 2. Januar 2026 | Kunst erleben, Kunstwissen

Acrylgemälde von Dagmar Reiche Schweben (1) 60x80

Erinnern Sie sich an diese Sommer als Kind? Als wir auf dem Rücken im Gras lagen, in den Himmel auf die seltsamen, schnell wechselnden Gebilde blickten und unsere Gedanken mit ihnen auf die Reise schickten? Als wir uns Fragen stellten wie: Wo kommen die Wolken wohl her? Wohin ziehen sie? Wie sieht es dahinter aus? Ob sie wohl schmecken wie Zuckerwatte? Oder Engel in ihnen wohnen? Ob ich von oben in sie reinspringen kann und sie sich dann anfühlen wie ein Federbett?

  1. Einführung
  2. Wolken – eine kurze Zeitreise
  3. »Dem Himmel so nah«: Ausstellung in der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen
  4. Fazit

Acrylgemälde von Dagmar Reiche: Wasser (Sturm), 40x80 cm
Wasser (Sturm); 40 × 80 cm, Acryl auf Leinwand

Einführung: Märchenhaftes und Wissenswertes

Frau Holle war als Kind eines meiner Lieblingsmärchen – ein Federkissen, aus dem Schnee rieselte, wie wundersam! Und noch heute faszinieren mich Wolken, nicht umsonst wächst meine Sammlung von Fotografien dieser ephemeren Gebilde Jahr für Jahr. Auch in meiner Malerei der letzten Jahre ist diese Liebe erkennbar.

Trotz ihrer Beweglichkeit strahlen Wolken Ruhe aus. Ich mag ihre Luftigkeit und Unbestimmtheit, ihre wechselnde Formen, die in großer Bandbreite zeigen, welches Wetter uns erwartet oder sogar droht. Ich finde es toll, dass sie Freiheit und Anarchie ausstrahlen, ihre Transformation nicht vorhersagbar, keinen klaren Regeln unterworfen. Sie wirken so, als ob sie das tun, was sie wollen.

Acrylgemälde von Dagmar Reiche: Luft (Energie), 40x80 cm
Luft (Energie); 40 × 80 cm, Acryl auf Leinwand

Trotzdem versucht der Mensch, sie in eine Ordnung zu bringen. So sind sie zu poetischen Namen wie Cirrocumulus, Nimbostratus oder Cumulonimbus gekommen. Selbst für Spezialwolken gibt es lyrisch Anmutendes: Die Wolkenfetzen, die aus dem feuchten Wald aufsteigen, heißen Silvagenitus, der feine Sprühnebel über einem Wasserfall Cataractagenitus.

Wolken faszinieren sogar, wenn sie menschengemacht sind (und dann Homogenitus heißen): als Ausstoß aus den Schornsteinen von Kühlwerken und Dampfloks, als Dunstglocke über Großstädten oder als Kondensstreifen, die den Himmel wirken lassen wie einen Schnittmusterbogen aus einer Frauenzeitschrift.

Übrigens: So federleicht sie oft wirken, so bemerkenswert ist ihr Gewicht. Selbst eine kleine Schönwetterwolke bringt schon mal 500 bis 1.000 Tonnen auf die Waage, kann es also locker mit einer Elefantenherde aufnehmen. Eine große Gewitterwolke kann Millionen von Tonnen wiegen. Gut, dass uns der Himmel nicht auf den Kopf fällt…

Acrylgemälde Schweben (2) von Dagmar Reiche, 60 x 80 cm, erinnert an Wolken
Schweben (2); 60 × 80 cm, Acryl auf Leinwand

Wolken – eine kurze Zeitreise

So wandelbar Wolken in der Realität sind, so vielfältig ist die Auseinandersetzung mit ihnen in der Kunst. Jahrhunderte lang war der Himmel Metapher für Transzendentes, Göttliches oder auch – zusammen mit dem Wasser – als Statement, wie wichtig (und mächtig) die Seefahrt ist.

Selbst als Anfang des 19. Jahrhundert die Wissenschaft klären konnte, dass Wolken nicht anderes sind als ein profane Versammlung von Wassertropfen oder Eiskristallen, verloren sie nichts von ihrer Anziehungskraft für die künstlerische Auseinandersetzung. Im Gegenteil: Sie wurden zum eigenständigen Motiv. Gerade ihre Flüchtigkeit regt nicht nur die Fantasie an, sondern ist eine malerische Herausforderung: Wie lässt sich eine Form finden, die etwas Formloses und dessen Bewegung abbildet?

Vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit

Viele Jahrhunderte hatten Wolken etwas Magisches, wurden als Verbindungen (aber auch Trennung) zwischen Erde und Himmel, zwischen Menschen und dem Mysterium der göttlichen Präsenz gesehen.

In der Renaissance (1400–1600) zog die Perspektive in die Malerei ein und ermöglichte damit auch, dass sich der Blick bis ins Unendliche dehnte. In Innenräumen erweiterten die Illusionen des Trompe-l’œil an den Seitenwänden oder den Decken die Blicke auf scheinbar weitläufige Landschaften und Himmel. Schon da, aber vor alle später im Barock (1600–1750) saßen auf den Wolken die Engel und die Menschen, die es verdienten, sich vom irdischen Leben loszusagen und in den Himmel zu kommen.

Zwei Gemälde: Girolamo dai Libri: Thronende Maria mit Kind und Heiligen, irolamo dai Libri: Maria mit dem segnenden Kind und Heiligen
Der Himmel und das Göttliche.
Links: Girolamo dai Libri: Thronende Maria mit Kind und Heiligen (1510–1515), Leinwand, 216 × 148.5 cm; Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Jörg P. Anders
Rechts: Girolamo dai Libri: Maria mit dem segnenden Kind und Heiligen (um 1525), Leinwand, 223 × 142 cm; Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Jörg P. Anders

Vor allem in der holländischen Landschaftsmalerei im 17. Jahrhundert wurde der Himmel mit seinen Wolken schon zum Hauptdarsteller. Dort dehnte er sich oft groß und prominent über den nur noch schmalen Streifen der Landschaft. Trotzdem ging es nicht primär um die Wolken, sondern sie waren als Teil der Natur Träger einer tieferen, oft symbolischen Bedeutung.

Gemälde Jacob Isaacksz. van Ruisdael: Haarlem von den Dünen im Nordwesten gesehen
Jacob Isaacksz. van Ruisdael: Haarlem von den Dünen im Nordwesten gesehen (um 1670); Leinwand, 33.8 × 41.2 cm
Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Jörg P. Anders

Romantik (etwa 1790 bis 1850) 

In der Romantik waren Himmel und Wolken Projektionsfläche für Emotionen, ein Wechselspiel zwischen der Transzendenz und Erhabenheit der Natur und wie sich diese auf die Seele des Betrachtenden auswirkt (man denke zum Beispiel an die Bilder von Caspar David Friedrich). 

Gemälde: Caspar David Friedrich: Zwei Männer am Meer
Caspar David Friedrich: Zwei Männer am Meer (1817); Leinwand, 51 × 66 cm; Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Jörg P. Anders

Auch wenn Friedrich seine Himmel zurückgezogen im Atelier gemalt hat, war es um die Jahrhundertwende en vogue, nach draußen zu gehen und die Landschaft zu studieren, Licht, Schatten und Farben in Ölskizzen einzufangen. In und um Rom fand man Heerscharen vor allem französischer und deutscher Maler, die auch die Wolken intensiv beobachteten und versuchten, mittels Ölskizzen ihre Dynamik einzufangen (nicht selten erfolgreicher als in den dann im Atelier gemalten „richtigen“ Bildern).

Neu war, dass sich viele der Künstler auf die Wolken konzentrierten und diese sogar aus ihrem Landschaftskontext herausgelöst darstellten – fast wie bei einer Zoom-Fotografie.

Carl Blechen Wolkenstudie
Carl Blechen: Wolkenstudie (um 1823); Öl auf Vergépapier mit Stegschatten, 10.8 × 19.8 cm
Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Jörg P. Anders
Adolf Menzel Wolkenstudie
Adolf Menzel: Wolkenstudie (1851); Öl auf Leinwand, 28 × 40 cm
Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Jörg P. Anders

Bei den englischen Malern und Konkurrenten John Constable und William M. Turner war der Himmel ein wichtiges Element, um Stimmungen zu erzeugen. Turner interessierte sich für Licht, Dynamik und Dramatik. Er wollte den Betrachtenden spüren lassen, wie es sich anfühlt, den Gewalten der Natur ausgeliefert zu sein. Bei Constable dagegen war der Himmel ein möglichst realitätsnahes Element seiner englischen Landschaften. Dafür betrieb er intensiv und systematisch Wolkenstudien, fast wie bei einer wissenschaftlichen Versuchsanordnung.

Gemälde von John Constable Higham Village am Flusse Stour
John Constable: Higham Village am Flusse Stour (um 1804); Öl auf Leinwand, 45.8 × 61 cm
Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Andres Kilger

Ab etwa 1860 bis heute

Im Impressionismus galt es, flüchtige Momente und ihre Stimmungen einzufangen – womit gelänge das besser, als mit Wolken? Welch Freude strahlen zum Beispiel die Schäfchenwolken aus, die über den Himmel der Sommerlandschaften von Claude Monet tanzen.

Gemälde von Claude Monet: Ansicht von Vétheuil
Claude Monet: Ansicht von Vétheuil (um 1880); Öl auf Leinwand, 60 × 100 cm
Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Jörg P. Anders

Die Expressionisten füllten ihre Himmel oft mit unnatürlichen, leuchtenden Farben, dynamischen Pinselstrichen und Dramatik, zeigten damit wie sie sich fühlten: innere Zerrissenheit und Bedrohung, aber auch pure Lebensfreude und Freiheit. Typisches Beispiel sind die pink- und orangefarbenen Himmel, die sich über Ernst Ludwig Kirchners Gebirgslandschaften spannen.

In der klassischen Moderne wurden Wolken dann surreal verfremdet, abstrahiert und weiter entwickelt. Das Spektrum reichte von expressiven Seelenlandschaften (wie bei Emile Nolde), über Kombinationen von Tag und Nacht bei René Magritte, bis zu Abstraktionen, um Kompositionselemente wie Reihung, Symmetrie und Rhythmus zu erforschen (etwa bei Piet Mondrian). 

Auch in der zeitgenössischen Kunst finden die Himmelsgebilde immer wieder Eingang: in der Malerei (Sven Drühl) und Grafik genauso wie als Skulptur, poetische und dreidimensionale Intervention, Text-Bild-Kombinationen (Ed Ruscha), in fotografischen Arbeiten (Gerhard Richter), bei Videoinstallationen oder als künstlich erzeugte Nebelskulpturen (Fujiko Nakaya).

Wolken dienen als Ideenvermittler und Metapher für Umweltprobleme, technische Weiterentwicklungen oder – noch immer – für die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergänglichkeit und dem Verhältnis zu Religion und Spiritualität.

Nebelinstallation von Fujiko Nakaya im Haus der Kunst München 2022
Nebelinstallation von Fujiko Nakaya: „Nebel Leben“ im Haus der Kunst München, 2022

„Dem Himmel so nah“: Ausstellung in der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen

Viele der genannten Aspekte lassen sich aktuell in der Ausstellung „Dem Himmel so nah“ in Bietigheim-Bissingen entdecken, erkunden und bestaunen. Sie ist in enger Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Emden entstanden und war zunächst dort zu sehen, bevor sie in den Süden der Republik wanderte.

Bis nach Emden habe ich es nicht geschafft, auch wenn ich gern gleichzeitig in die realen weiten Himmel des flachen Nordens eingetaucht wäre. Jetzt aber bot sich die Gelegenheit, mir hier im Süden anzuschauen, wie andere Kunstschaffende eines meiner Lieblingsthemen bearbeiten.

Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen, Innenansicht
Alt und neu kombiniert: die Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen

Die Räumlichkeiten der städtischen Galerie

Bevor ich eine Ausstellungen anschaue, lasse ich oft erst das Gebäude selbst auf mich wirken, zumal wenn ich zum ersten Mal dort bin. Manchmal spricht die Architektur solch eine starke Sprache, dass die Kunst Mühe hat, sich zu behaupten, manchmal gehen beide eine fast symbiotische Beziehung ein, profitieren wechselseitig voneinander. In anderen Fällen nimmt sich das Gebäude zurück und dient vor allem der Kunst. Es gibt Gebäude mit riesigen Räumen und viel Luft und andere, in denen nur intime Kabinettausstellungen realisierbar sind.

Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen, Innenansicht bei der Ausstellung "dem Himmel so nah" 2025
Ausstellungsansicht „Dem Himmel so nah“ mit Durchblicken durch Metallstelen: links: „Kumulus virga“ von Anna Grath, rechts davon fünf Arbeiten von Walter Strich-Chapell, im Hintergrund verschiedene Druckgrafiken

Die Städtische Galerie in Bietigheim-Bissingen ist ein gelungene Mischung aus alt und neu – durchaus eine Herausforderung, da an manchen Stellen nur relativ schmale Durchgangsräume zur Verfügung stehen, die auch noch durch Stelen unterbrochen sind. So kann es passieren, dass große Werke nicht auf einen Blick zu erfassen sind.

Insgesamt gibt es jedoch viel Raum und spannende Blicke auch über mehrere Etagen hinweg, der Charme des Gebäudes nimmt sich zurück und ist erst dann richtig wahrnehmbar, wenn man genau hinschaut. Die Kunst darf atmen – mir gefällt es.

Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen, Innenansicht bei der Ausstellung "dem Himmel so nah" 2025
Verbindungen zwischen den Etagen mit Durchblicken
Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen, Innenansicht bei der Ausstellung "dem Himmel so nah" 2025; werke von Geoffrey Hendricks
Ausstellungsansicht „Dem Himmel so nah“ mit Blick auf verschiedene Arbeiten von Geoffrey Hendricks
Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen, Innenansicht bei der Ausstellung "dem Himmel so nah" 2025
Ausstellungsansicht „Dem Himmel so nah“: Holzstelen gliedern das Obergeschoss in einzelne Kompartimente; vorne rechts Cyanotypien von Simon Roberts, dahinter Ausschnitt aus der Werkgruppe „Dirty minimal“ von Almut Linde, hinten Ausschnitt aus der Installation „Leicht bewölkt“ von Nanne Meyer
Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen, Innenansicht bei der Ausstellung "dem Himmel so nah" 2025
Raumwirkung mit viel Luft und verschiedenen Durchblicken. Ausstellungsansicht „Dem Himmel so nah“
Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen, Innenansicht bei der Ausstellung "dem Himmel so nah" 2025
Durchblicke. Ausstellungsansicht „Dem Himmel so nah“

Dem Himmel so nah – die Ausstellung

Die Ausstellung umfasst Auseinandersetzungen mit dem Himmel von über vierzig internationalen Kunstschaffenden aus den letzten Jahrhunderten, begonnen mit Albrecht Dürer. Es werden also sowohl Exponate gezeigt, die bereits weit vor der wissenschaftlichen Entzauberung der Himmelsphänomene entstanden sind, bis hin zu Arbeiten noch lebender Künstlerinnen und Künstler.

Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen, Innenansicht bei der Ausstellung "dem Himmel so nah" 2025; zentral eine Gemälde von  Valentin Ruths: Der Feuersee im Kilauea Krater auf Hawaii
Ausstellungsansicht: links: Sven Drühl, SDNN (volcano), 2016 / Mitte: Valentin Ruths, Der Feuersee im Kilauea Krater auf Hawaii, 1888 / rechts: Ludolf Backhuysen, Der Schiffbruch des heiligen Paulus bei Malta, um 1690/1700)
Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen, Innenansicht bei der Ausstellung "dem Himmel so nah" 2025
Ausstellungsansicht; vorne rechts Ausschnitt aus „Sylt, Sonnenuntergang, Dünen“ von Wenzel Hablik; dahinter zwei Arbeiten von Franz Radziwill („Blick vom Deich in Dangast“, „Raureif am Fortgraben“), im Hintergrund „Der Schiffbruch des heiligen Paulus bei Malta“ von Ludolf Backhuysen
Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen, Innenansicht bei der Ausstellung "dem Himmel so nah" 2025; Druckgrafiken verschiedener Künstler aus der Sammlung des Städtischen Graphik-Kabinetts Backnang
Ausstellungsansicht: Links Künstlerbuch „Clear Sky“ von Bruce Naumann, Mitte: Druckgrafiken verschiedener Künstler aus der Sammlung des Städtischen Graphik-Kabinetts Backnang

Himmel und Wolken zeigen sich quer durch alle Jahreszeiten, Themen und Techniken. Einzelne Arbeiten herauszugreifen, fällt schwer, sind sie doch so unterschiedlich und spannend, dass allen eigener Platz gebührt. Exemplarisch vorstellen möchte ich trotzdem drei Werkgruppen, weil sie zeigen, wie überraschend und neu das alte Thema bearbeitet werden kann:

  • Dazu gehört die Werkserie „Seeing clouds from both sides“ von Lyoudmila Milanova (*1979), die Wolken als Träger des Wandels inszeniert. In ihren Arbeiten sind Wolken auf Glasplatten gegenüber positioniert, die von der Erde und gleichzeitig aus dem Weltraum durch einen Satelliten von oben fotografiert worden sind. Fantasie und Information, Spiel und Technologie kongenial gegenübergestellt und miteinander verschränkt. 
Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen, Innenansicht bei der Ausstellung "dem Himmel so nah" 2025;  Lyoudmila Milanova: „Seeing clouds from both sides“
Lyoudmila Milanova: „Seeing clouds from both sides“; Ausstellungsansicht
  • Nanne Meyer (*1953) zeigt eine poetische Rauminstallation „Leicht bewölkt“, die aus vielen kleinen handgeschöpften Japanpapieren mit Zeichnungen und Texten zu Wolken besteht. Sie lädt ein, deren Wandelbarkeit nachzuspüren. Das Eintauchen und Zur-Ruhe-kommen funktioniert – allein hier ließen sich viele Minuten verbringen.
Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen, Innenansicht bei der Ausstellung "dem Himmel so nah" 2025; Nanne Meyer: „Leicht bewölkt“;
Nanne Meyer: „Leicht bewölkt“; Ausstellungsansicht
  • Das Foto- und Filmprojekt „Dirty minimal“ von Almut Linde (*1965) zeigt Himmelsansichten, die ästhetisch wunderschön anmuten, bis man versteht, dass es Zeichen unserer Zivilisation sind: Wolken über einem Braunkohlekraftwerk und Kondensstreifen über Madrid, die Linde – ausgerechnet – am letzten Tag der dort 2019 stattfindenden Klimakonferenz aufgenommen hat.
Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen, Innenansicht bei der Ausstellung "dem Himmel so nah" 2025; Werkgruppe "Dirty minimal" von Almut Linde
Ausstellungsansicht: Werkgruppe „Dirty minimal“ von Almut Linde; frontal: #70.1 / Wolkenmeer II (Video); links und rechts #112.3 / Wolkenmeer (Fotografie)

Die Hängung ist vielfältig und dynamisch, manchmal überraschend und auf jeden Fall einladend. Sie reicht von großformatigen, von viel Weißraum umgebenden Werken bis zu intim gehängten Grafiken (und allem dazwischen). Es ergeben sich spannende Blickachsen und überraschende Dialoge zwischen den Arbeiten, die manchmal auch Jahrhunderte überbrücken.

Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen, Innenansicht bei der Ausstellung "dem Himmel so nah" 2025; The Celestrials" von Simon Roberts
Ausstellungsansicht: Links „The Celestrials“ von Simon Roberts, rechts Arbeiten von Franz Radziwill („Blick vom Deich in Dangast“, „Raureif am Fortgraben“), im Hintergrund das Werk „SDNN (volcano)“ von Sven Brühl

Fazit

Wolken sind faszinierend in ihrer flüchtigen Vergänglichkeit. Sie sind Naturschauspiel, Projektionsfläche, Metapher und haben auch heute nichts von ihrer Anziehungskraft verloren. Die Ausstellung in der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen zeigt das aufs Feinste. Unbedingt sehenswert.

Dem Himmel so nah – Wolken in der Kunst
Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen
22. November 2025 bis 1. März 2026

Links:

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