In den letzten beiden Wochen war ich privat in Wien und Hamburg. Wie immer habe ich versucht, auch ein paar kulturelle Highlights unterzubringen. Hier eine Auswahl der schönsten Ausstellungen und Erlebnisse.
- Wien, Albertina: Faszination Papier
- Wien, Albertina: Leiko Ikemura. Motherscapes
- Hamburg, Elbphilharmonie
- Hamburg, Museum für Kunst & Gewerbe
- Hamburger Kunsthalle
Wien
Ich bin zum zweiten Mal in Wien, und freue mich sehr, auch wenn die Zeit begrenzt ist. Der Sohn hat Geburtstag und wir haben uns angekündigt. Wie haben kein Veto gehört, machen uns also per Zug auf die Reise.
Albertina – Faszination Papier
Ich liebe Papier und das, was sich daraus zwei- und dreidimensional zaubern lässt. Schließlich habe ich eine Masterarbeit über Pop-up-Bücher geschrieben, bei der der praktische Teil ein Papiermusterbuch mit beweglichen Elementen war. Deshalb befand sich diese Ausstellung seit Wochen auf meiner Liste der Dinge, die ich unbedingt anschauen will. Es hat sich gelohnt.
Die Albertina beherbergt eine der weltweit größten Sammlungen von Arbeiten auf Papier, etwa Druckgrafiken, Zeichnungen und Aquarelle. Doch Papier in der Kunst ist viel mehr als Bildträger. Es kann für sich stehen und in verschiedensten Formen selbst künstlerisches Medium sein. Das zeigt die Ausstellung mit rund 150 Exponaten aus aller Welt ganz wunderbar: abwechslungsreich, überraschend und faszinierend.
Sie ist thematisch in Bezug auf verschiedenen Techniken gegliedert – poetische Titel, die wie Wegmarken die Orientierung erleichtern. Beispiele sind „Aus Schnitt“ mit Objekten aus geschnittenem Papier, „Eindrücklich und einprägsam“ mit Arbeiten, die durch Abdrücke oder Prägungen gekennzeichnet sind, „Entfaltung im Raum“ mit großen und dreidimensionalen Arbeiten oder „Viele Teile – ein Ganzes und Anders, als es scheint“ mit Arbeiten, die mit unserer Wahrnehmung spielen, wie Vexierbilder oder Trompe-l’œil-Malerei. Auch „Papier in Bewegung“ gibt es – ein Thema, was mir besonders am Herzen liegt und wo ich viele alte Bekannte treffe. Charmant ist beim Thema „Ich bin Papier“ die Koje mit zahlreichen Selbstporträts von Rembrandt, die meisten davon nur wenige Zentimeter groß.
Die Ausstellung in der Albertina zeigt Werke aus den Beständen ihrer grafischen Sammlung, der Architektursammlung und der Sammlung zeitgenössischer Kunst. Eine Zusammenstellung über Jahrhunderte und verschiedene Kulturen, die es wohl nicht so häufig zu bestaunen gibt.
Funfact: Beim Stöbern in dem wunderbaren Ausstellungskatalog stelle ich fest, das dieser von Kurt Dornig gestaltet wurde. Er ist ein großartiger Buchgestalter – und war einer der beiden Betreuer meiner Masterarbeit.
Albertina – Leiko Ikemura. Motherscapes
Ikemuras Bilder und Skulpturen sind Poesie. Ihre Werke erzählen Geschichten, offen genug, um von Betrachtenden weitergesponnen zu werden. Etwas Geheimnisvolle zieht sich durch ihr Œuvre, das fragil und kraftvoll zugleich erscheint. Weiblichkeit und Identität, der Mensch und sein Platz in der Natur sind zentrale Themen. Man merkt den Werken an, dass Ikemura japanische Wurzeln hat, doch sind diese verbunden mit den Einflüssen aus dem westeuropäischen Raum, wo sie seit Jahren lebt. Eine Ausstellung zum Entdecken und Hinterfragen.
Wien – unterwegs
Wien ist eine wunderschöne Stadt. In zwei Tagen durchzuhechten, wird ihr keinesfalls gerecht. Doch es hilft nichts, mehr Zeit gibt es nicht. Was wir noch schaffen: Besuch des Stephansdoms, ein langer Spaziergang an der Donau, Sonnenuntergang und Cocktail im „Dachboden“, lecker Essen im „Heunisch & Erben“ (auf besonderen Wunsch des Geburtstagskindes) und im urigen „Zum alten Fassl“.
Und nicht zu vergessen der Besuch des Museums für angewandte Kunst MAK, u.a. zur Ausstellung „Turning pages“ mit Künstlerbüchern und zu „Helmut Lang“. Alles in allem ein volles, doch auch sehr erfüllendes Programm.
Hamburg
Wenige Tage später muss mein Mann beruflich nach Hamburg. Ich schaufle mir Zeit frei und begleite ihn.
Elbphilharmonie
Die Entscheidung für einen spontanen Kurzbesuch in Hamburg fällt, weil es noch Karten für die Elbphilharmonie gibt. Das „City of Birmingham Symphony Orchestra“ mit dem DirigentenKazuki Yamada spielt Stücke von William Walton (Orb and Sceptre und die Sinfonie Nr. 1b-Moll) sowie das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 b-Moll op. 23 von Piotr I. Tschaikowsky mit Bruce Liu am Klavier. Die Zugaben: György Ligeti (Fanfares / aus: Études pour piano, Buch 1) und Edward Elgar (Enigma-Variationen op. 36, Nr. 9).
Was für ein Abend – ich bin hin und weg. Die Elbphilharmonie selbst ist bereits beeindruckend, im großen Saal ein Konzert anhören zu dürfen, ist überwältigend. Wir haben großartige Plätze und können den unfassbar schnellen Fingern des Pianisten beim Spielen zuschauen.
Museum für Kunst & Gewerbe
Mein letzter Besuch im MK&G ist bereits eine Weile her. Ich möchte mir vor allem die Ausstellung von Ernst Gamperl anschauen. Diese beeindruckt mich so sehr, dass ich darüber einen extra Blogartikel schreibe.
Zweite Station: die Ausstellung „Künste · Frauen · Netzwerk“ zum 100-jährigen Jubiläum der gedok. Auch wenn ich es leider nicht geschafft habe, als Künstlerin dabei zu sein, möchte ich sie unbedingt anschauen. Ich finde, es ist eine gelungen Auswahl, die sehr gut das breite Spektrum der Künstlerinnen zeigt, die Mitglied in der gedok sind.
Ich statte der Spiegel-Kantine noch einen Besuch ab und frage mich auch diesmal wieder, wie wohl in solch einer Umgebung das Essen schmeckt.
Ein kurzer Abstecher zur Mode von XULY.Bët und dann bleibe ich nochmal länger vor der faszinierenden Lichtinstallation Shylight von DRIFT stehen. Sie hat etwas Hypnotisierendes. Ich laufe rüber zur Kunsthalle.
Hamburger Kunsthalle
Auch hier bin ich schon länger nicht mehr gewesen. Ich merke, dass ich schon ziemlich gefüllt bin mit Eindrücken und schaue mir manches nur halbherzig an. „For your Eyes only“ zeigt Miniaturen der Romantik – die kleine Kabinettausstellung hat Charme.
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
„Isa Mona Lisa“ in der Galerie der Gegenwart zeigt Positionen internationaler, zeitgenössischer Künstler:innen, teilweise Neuerwerbungen oder Leihgaben aus Privatsammlungen. Spannend finde ich einige der speziell eingerichteten Künstler:innenräume, für viele der anderen Werke bin ich wohl schon zu müde. Gegenwartskunst braucht einen wachen Kopf zur Auseinandersetzung, sonst erschließt sie sich häufig nicht. Witzig und einladend finde ich „Das Hamburger Kinderzimmer“ von Olafur Eliasson.
© Ólafur Elíasson
Zum Abschluss drehe ich noch eine Runde durch die Sammlung, bleibe länger vor den Gemälden von Caspar David Friedrich stehen, schwelge in weiteren Landschaften, etwa von Künstlern aus der Schule von Barbizon. Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich die wunderbare Kunst gar nicht so richtig wertschätzen kann und nehme mir vor, beim nächsten Mal dort meine Runde zu beginnen.
Hamburg – unterwegs
Da das Zeitfenster so klein ist, sehe ich diesmal nicht so viel von Hamburg wie bei meinem Besuch 2024. Ich liebe die roten Backsteinhäuser, das Wasser, die großen Kräne, den Duft der weiten Welt. Zum Essen haben wir einen ausnehmend guten Portugiesen gefunden, mit extrem leckerem Fisch und mehr als angemessenen Preisen. Diese Adresse ist auf jeden Fall notiert – der nächste Hamburg-Besuch kommt bestimmt! Und dann hoffentlich mit mehr Zeit, um auch Bekannte zu treffen.
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