Von Wien nach Hamburg – kulturelle Highlights im Schnelldurchlauf

von | 15. März 2026 | Kunst erleben

Rolltreppe in der Albertina Wien

In den letzten beiden Wochen war ich privat in Wien und Hamburg. Wie immer habe ich versucht, auch ein paar kulturelle Highlights unterzubringen. Hier eine Auswahl der schönsten Ausstellungen und Erlebnisse.

Wien

Ich bin zum zweiten Mal in Wien, und freue mich sehr, auch wenn die Zeit begrenzt ist. Der Sohn hat Geburtstag und wir haben uns angekündigt. Wie haben kein Veto gehört, machen uns also per Zug auf die Reise.

Foto von Wien im Abendlicht
Wien im Abendlicht

Albertina – Faszination Papier

Ich liebe Papier und das, was sich daraus zwei- und dreidimensional zaubern lässt. Schließlich habe ich eine Masterarbeit über Pop-up-Bücher geschrieben, bei der der praktische Teil ein Papiermusterbuch mit beweglichen Elementen war. Deshalb befand sich diese Ausstellung seit Wochen auf meiner Liste der Dinge, die ich unbedingt anschauen will. Es hat sich gelohnt. 

Albertina Wien, Ausstellungsansicht "Faszination Papier", Arbeit von Birgit Knoechl
Birgit Knoechl: Out of Control_Revisited – The Autonomy of Growth_0IV, 20006–2008/2020, 355 × 458 × 155 cm, Tusche auf Papier; Ausstellungsansicht Albertina, 2026

Die Albertina beherbergt eine der weltweit größten Sammlungen von Arbeiten auf Papier, etwa Druckgrafiken, Zeichnungen und Aquarelle. Doch Papier in der Kunst ist viel mehr als Bildträger. Es kann für sich stehen und in verschiedensten Formen selbst künstlerisches Medium sein. Das zeigt die Ausstellung mit rund 150 Exponaten aus aller Welt ganz wunderbar: abwechslungsreich, überraschend und faszinierend.

Albertina Wien, Ausstellungsansicht "Faszination Papier"; Katagami-Schablonen
Katagami dienten in Japan zur Übertragung von Mustern auf Stoffe

Sie ist thematisch in Bezug auf verschiedenen Techniken gegliedert – poetische Titel, die wie Wegmarken die Orientierung erleichtern. Beispiele sind „Aus Schnitt“ mit Objekten aus geschnittenem Papier, „Eindrücklich und einprägsam“ mit Arbeiten, die durch Abdrücke oder Prägungen gekennzeichnet sind, „Entfaltung im Raum“ mit großen und dreidimensionalen Arbeiten oder „Viele Teile – ein Ganzes und Anders, als es scheint“ mit Arbeiten, die mit unserer Wahrnehmung spielen, wie Vexierbilder oder Trompe-l’œil-Malerei. Auch „Papier in Bewegung“ gibt es – ein Thema, was mir besonders am Herzen liegt und wo ich viele alte Bekannte treffe. Charmant ist beim Thema „Ich bin Papier“ die Koje mit zahlreichen Selbstporträts von Rembrandt, die meisten davon nur wenige Zentimeter groß.

Albertina Wien, Ausstellungsansicht "Faszination Papier", Selbstportraits von Rembrandt
Viele kleine Selbstportraits von Rembrandt

Die Ausstellung in der Albertina zeigt Werke aus den Beständen ihrer grafischen Sammlung, der Architektursammlung und der Sammlung zeitgenössischer Kunst. Eine Zusammenstellung über Jahrhunderte und verschiedene Kulturen, die es wohl nicht so häufig zu bestaunen gibt.

Albertina Wien, Ausstellungsansicht "Faszination Papier"
Reißen, Schneiden, Falten, Perforieren, Prägen und vieles anders: Papier ist ein Material mit unendlichen Möglichkeiten. Das zeigt die Ausstellung „Faszination Papier“ in der Albertina aufs Feinste.

Funfact: Beim Stöbern in dem wunderbaren Ausstellungskatalog stelle ich fest, das dieser von Kurt Dornig gestaltet wurde. Er ist ein großartiger Buchgestalter – und war einer der beiden Betreuer meiner Masterarbeit.

Masterarbeit von Dagmar Rieche "Auffalten bis Zuklappen - Lebende Bücher bewegen"
Meine Masterarbeit, die auch sehr viel mit Papier zu tun hatte

Albertina – Leiko Ikemura. Motherscapes

Ikemuras Bilder und Skulpturen sind Poesie. Ihre Werke erzählen Geschichten, offen genug, um von Betrachtenden weitergesponnen zu werden. Etwas Geheimnisvolle zieht sich durch ihr Œuvre, das fragil und kraftvoll zugleich erscheint. Weiblichkeit und Identität, der Mensch und sein Platz in der Natur sind zentrale Themen. Man merkt den Werken an, dass Ikemura japanische Wurzeln hat, doch sind diese verbunden mit den Einflüssen aus dem westeuropäischen Raum, wo sie seit Jahren lebt. Eine Ausstellung zum Entdecken und Hinterfragen.

Wien, Albertina, Ausstellungsansicht Leiko Ikemura 2026
Ausstellungsansicht: „Leiko Ikemura. Motherscapes“ in der Albertina. Zentral das Bild „Yellowscape / Gelbe Landschaft“ (Tempera und Öl auf Jute), darunter „Sheep/Schaf“ (Patinierte Bronze)

Wien – unterwegs

Wien ist eine wunderschöne Stadt. In zwei Tagen durchzuhechten, wird ihr keinesfalls gerecht. Doch es hilft nichts, mehr Zeit gibt es nicht. Was wir noch schaffen: Besuch des Stephansdoms, ein langer Spaziergang an der Donau, Sonnenuntergang und Cocktail im „Dachboden“, lecker Essen im „Heunisch & Erben“ (auf besonderen Wunsch des Geburtstagskindes) und im urigen „Zum alten Fassl“.

Foto INnenaum Heunisch & Erben, Wien
Manchmal finden sich Installationen auch im Restaurant – wie hier im „Heunisch & Erben“

Und nicht zu vergessen der Besuch des Museums für angewandte Kunst MAK, u.a. zur Ausstellung „Turning pages“ mit Künstlerbüchern und zu „Helmut Lang“. Alles in allem ein volles, doch auch sehr erfüllendes Programm.

Fptp vom MAK WIen, Blick zur Decke
Der Blick zur Decke offenbart oft Wunderschönes (hier im MAK).

Hamburg

Wenige Tage später muss mein Mann beruflich nach Hamburg. Ich schaufle mir Zeit frei und begleite ihn.

Foto Hamburg bei Nacht
Hamburg bei Nacht – auf dem Weg zum Hotel

Elbphilharmonie

Die Entscheidung für einen spontanen Kurzbesuch in Hamburg fällt, weil es noch Karten für die Elbphilharmonie gibt. Das „City of Birmingham Symphony Orchestra“ mit dem DirigentenKazuki Yamada spielt Stücke von William Walton (Orb and Sceptre und die Sinfonie Nr. 1b-Moll) sowie das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 b-Moll op. 23 von Piotr I. Tschaikowsky mit Bruce Liu am Klavier. Die Zugaben: György Ligeti (Fanfares / aus: Études pour piano, Buch 1) und Edward Elgar (Enigma-Variationen op. 36, Nr. 9).

Foto Hamburg, Elbphilharmonie, großer Saal
Vor Konzertbeginn – der Große Saal füllt sich langsam

Was für ein Abend – ich bin hin und weg. Die Elbphilharmonie selbst ist bereits beeindruckend, im großen Saal ein Konzert anhören zu dürfen, ist überwältigend. Wir haben großartige Plätze und können den unfassbar schnellen Fingern des Pianisten beim Spielen zuschauen.

Foto Hamburg, Elbphilharmonie bei Nacht,  vom Hafen aus
Blick auf die Elbphilharmonie bei Nacht

Museum für Kunst & Gewerbe

Mein letzter Besuch im MK&G ist bereits eine Weile her. Ich möchte mir vor allem die Ausstellung von Ernst Gamperl anschauen. Diese beeindruckt mich so sehr, dass ich darüber einen extra Blogartikel schreibe.

Ausstellungsansicht im MK&G, Hamburg; Ernst Gamperl: Lebensbaum
Das Lebensbaumprojekt – Ausstellungsansicht im Museum für Kunst & Gewerbe. Hier geht’s zu meinem Blogartikel über die Kunst von Ernst Gamperl

Zweite Station: die Ausstellung „Künste · Frauen · Netzwerk“ zum 100-jährigen Jubiläum der gedok. Auch wenn ich es leider nicht geschafft habe, als Künstlerin dabei zu sein, möchte ich sie unbedingt anschauen. Ich finde, es ist eine gelungen Auswahl, die sehr gut das breite Spektrum der Künstlerinnen zeigt, die Mitglied in der gedok sind. 

Ausstellungsansicht im MK&G Hamburg, 100 Jahre gedok
100 Jahre gedok – Kunst und Kunsthandwerk vom Feinsten

Ich statte der Spiegel-Kantine noch einen Besuch ab und frage mich auch diesmal wieder, wie wohl in solch einer Umgebung das Essen schmeckt.

Ausstellungsansicht im MK&G, Hamburg; Spiegel-Kantine
Spiegelkantine im MK&G Hamburg

Ein kurzer Abstecher zur Mode von XULY.Bët und dann bleibe ich nochmal länger vor der faszinierenden Lichtinstallation Shylight von DRIFT stehen. Sie hat etwas Hypnotisierendes. Ich laufe rüber zur Kunsthalle.

Ausstellungsansicht im MK&G, Hamburg; DRIFT: Skylight
DRIFT: Skylight, choreographierte Lichtinstallation

Hamburger Kunsthalle

Auch hier bin ich schon länger nicht mehr gewesen. Ich merke, dass ich schon ziemlich gefüllt bin mit Eindrücken und schaue mir manches nur halbherzig an. „For your Eyes only“ zeigt Miniaturen der Romantik – die kleine Kabinettausstellung hat Charme.

Ausstellungsansicht „Isa Mona Lisa“ in der Hamburger Kunsthalle: Salon Livresque" (2014) Thorsten Brinkmann (2014)
„Salon Livresque“ (2014) – die Wunderkammer von Thorsten Brinkmann. Die Gäste sind eingeladen, sich hinzusetzen und in den Büchern zu stöbern und sich damit den Raum neu anzueignen.
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026

„Isa Mona Lisa“ in der Galerie der Gegenwart zeigt Positionen internationaler, zeitgenössischer Künstler:innen, teilweise Neuerwerbungen oder Leihgaben aus Privatsammlungen. Spannend finde ich einige der speziell eingerichteten Künstler:innenräume, für viele der anderen Werke bin ich wohl schon zu müde. Gegenwartskunst braucht einen wachen Kopf zur Auseinandersetzung, sonst erschließt sie sich häufig nicht. Witzig und einladend finde ich „Das Hamburger Kinderzimmer“ von Olafur Eliasson.

Ausstellungsansicht in der Hamburger Kunsthalle; das Hamburger Kinderzimmer von Ólafur Elíasson
Das Hamburger Kinderzimmer von Ólafur Elíasson
© Ólafur Elíasson

Zum Abschluss drehe ich noch eine Runde durch die Sammlung, bleibe länger vor den Gemälden von Caspar David Friedrich stehen, schwelge in weiteren Landschaften, etwa von Künstlern aus der Schule von Barbizon. Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich die wunderbare Kunst gar nicht so richtig wertschätzen kann und nehme mir vor, beim nächsten Mal dort meine Runde zu beginnen.

Ausstellungsansicht in der Hamburger Kunsthalle; ständige Ausstellung
In der Ständigen Ausstellung der Hamburger Kunsthalle lässt sich in Landschaften schwelgen.

Hamburg – unterwegs

Da das Zeitfenster so klein ist, sehe ich diesmal nicht so viel von Hamburg wie bei meinem Besuch 2024. Ich liebe die roten Backsteinhäuser, das Wasser, die großen Kräne, den Duft der weiten Welt. Zum Essen haben wir einen ausnehmend guten Portugiesen gefunden, mit extrem leckerem Fisch und mehr als angemessenen Preisen. Diese Adresse ist auf jeden Fall notiert – der nächste Hamburg-Besuch kommt bestimmt! Und dann hoffentlich mit mehr Zeit, um auch Bekannte zu treffen.

Typisch Hamburg: Backstein am Wasser

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