Tierisch innovativ: Das Honigdachs-Prinzip und andere Gamechanger

von | 1. Juni 2023 | Ateliergeflüster

Auch als Künstlerin bin ich natürlich Teil der Welt und Arbeitswelt, bekomme mit, was passiert, auch in ganz anderen Bereichen als Kunst und Kultur. Deshalb schreibe ich heute über ein anderes Thema als sonst. Zumindest zunächst – wie so häufig fielen mir beim Schreiben Parallelen zur Kunst auf.

Die Coachingszene brummt wie ein wild gewordener Bienenschwarm. Die Goldgräberstimmung der letzten zwei, drei Jahre ist vorbei, jetzt geht es ums Überleben. Also wird danach gesucht, was den einzelnen Anbietenden vom Gros der Konkurrenten abhebt.

Klar: die Persönlichkeit, klassisches Thema des Personal Branding. Doch um diese zu vermitteln, müssen die potenziellen Kund:innen erst einmal bereit sein, überhaupt innezuhalten. Ähnliches gilt für die Inhalte. Selbst wenn man etwas ganz Besonderes für eine spezielle Zielgruppe in einer kleinen Nische anbietet, muss diese erstmal überhaupt davon erfahren. Wie bekomme ich also die Aufmerksamkeit von Menschen, wenn ich nicht gerade Sex, Drugs and Rock ‘n Roll einsetzen will?

Ob es wohl schon das Katzen-Fisch-Prinzip gibt? Jedem das Seine, könnte hier das Credo sein…

Kreative Namensfindung

Eine Möglichkeit, die gerade rege verwendet wird: Alten Wein mit einem neuen Label zu servieren. Der Name soll neugierig machen und am besten noch völlig unverbraucht sein. So wird das Gefühl von etwas wirklich Innovativem vermittelt. Witzig soll sich der Begriff anhören, Humor lädt zum Reinlesen ein. Vielleicht auch ein bisschen schräg oder surreal, durchaus ein Hingucker. Wie das geht?

  • Man nehme als Wortbestandteil „Prinzip“. Schließlich möchte man prinzipiell etwas vermitteln, was Hand und Fuß hat. Auch wenn Prinzipienreiter eher negativ konnotiert sind, haben sie ein Gutes: Sie beharren auf allgemeingültigen Regeln und Methoden. Das Label „Prinzip“ vermittelt also Seriosität, etwas, was per Gesetz genau so sein muss und nicht anders. Seriosität quasi mit Brief und Siegel.
  • Um dem staubigen Prinzipienreiter etwas entgegenzusetzen, benötigt es nun auch noch den frischen Anteil. Wie ein Mitarbeiter, der es immer wieder schafft, den Chef davon zu überzeugen, dass der eine oder andere unerforschte Weg einen Versuch wert ist, um neue Geschäftsfelder zu erschließen. Der eingesetzte Begriff sollte unbekannt sein, um neugierig zu machen. Gleichzeitig sympathisch klingen, um einzuladen, statt abzuschrecken. Und etwas Lebendiges sollte er haben, schließlich soll das Prinzip durchgepustet werden, um den Muff zu verlieren. 
Schwarz-Weiß-Zeichnung mit perspektivisch konstruiertem Buchstaben "E"
„E“ wie Erfolg. In der Kunst gibt es Konstruktionsprinzipien, im Coaching oft Wortkombinationen mit „Prinzip“, um eine Methode seriös und gleichzeitig schmackhaft zu machen.

Das Tier-Prinzip

Und hier kommen wir zum Honigdachs. Genau dieses Wesen hat mich zum Schreiben dieses Textes inspiriert. Bei einer stinklangweiligen Methode hätte ich vermutlich nicht innegehalten, um den Artikel zu öffnen und genauer zu lesen. Aber das Honigdachsprinzip? – Da hing ich an der Angel. Was ist ein Honigdachs? Gibt es ihn wirklich? Mag er Honig? Ich wollte unbedingt wissen, was es mit diesem süßen Tier auf sich hat. Dabei fiel mir dann auf, dass die Tierwelt offensichtlich eine große Inspirationsquelle für Namenskreationen ist, die zum Lesen einladen. Bei mir jedenfalls startet das Kopfkino. Ein paar Beispiele gefällig?

  • Honigdachs-Prinzip
  • Pinguin-Prinzip
  • Erdmännchen-Prinzip 
  • Faultier-Prinzip
  • Husky-Prinzip
  • Arche Noah Prinzip
Acrylbild in Blautönen mit angedeuteten Vogelköpfen. Metapher für Freiheit
Auch Vögel wären geeignet als Metapher im Coaching, stehen sie doch für Freiheit und Fliegen. Zuvor müssen Fesseln entwirrt werden.

Doch auch ohne Tierwelt gibt es durchaus Wortkombinationen, die neugierig machen und zum Weiterlesen einladen. Leicht gewinnen, mit viel Kraft glücklich werden, mit mönchischer Gelassenheit blitzschnell die richtigen Entscheidungen treffen und maximal viele Fans bekommen – wer will das nicht?

  • Federleicht-Prinzip
  • Gewinner-Prinzip
  • Shaolin-Prinzip
  • Think-Like-a-Monk-Prinzip
  • Peter Prinzip
  • Lola Prinzip
  • Maximum Prinzip
  • Powerprinzip
  • Happiness-Prinzip
  • Fan-Prinzip
Skizzen von verschiedenen Köpfen, dazwischen ein Kohlkopf. Metapher für Coaching-Angebote
Coaching kann viele Gesichter haben. Manche Angebote erinnern auch an Kraut und Rüben …

Und wem ein „Prinzip“ noch nicht seriös genug ist, der setze auf tragende Elemente. Suchen Sie doch mal nach „6 Säulen“ – da lassen sich triadische, pyramidenförmige und sonstige Varianten von Selbstbewusstsein, Selbstwahrnehmung und Persönlichkeit entdecken…

Prinzipien und die Kunst

Und was, bitte, hat das mit Kunst zu tun? – Vielleicht fragen Sie sich das gerade beim Lesen. Hier ein paar Antworten:

Sich aus der Komfortzone bewegen

Zum einen gibt es inhaltliche Synergien. Beim Coaching und all den Prinzipen geht es darum, Veränderungen anzustoßen, die zu einem persönlichen Erfolg führen (wie auch immer dieser im Einzelnen konkret aussieht). Schwächen sollen in positive Energie verwandelt werden. Oft genug muss man sich dafür raus aus der eigenen Komfortzone bewegen. Und Krisen? Dienen dazu, sich neu zu justieren, stärker zu werden und zu lernen, beim nächsten Mal richtige Entscheidungen zu treffen. 

Das ist beim Malen ähnlich: Um besser zu werden, muss ich immer wieder raus aus meiner Komfortzone, Neues probieren und experimentieren – ohne Frust, Fehler und Scheitern geht das nicht. Sie glauben gar nicht, wie oft ich fast fertige Bilder komplett übermalt habe, um neu anzufangen. Doch daraus habe ich gelernt: was funktioniert und was nicht, was ich mag und was weniger. Um Kunst zu schaffen, die Aufmerksamkeit weckt, muss sie anders sein als andere. Das geht nur, wenn ich sie ganz zu meiner Kunst mache. Letztlich gibt es auch dafür ein Label „mit Herzblut gemacht von kunstreiche“. Und genau diese Art von Kunst kann nur ein Mensch auf dieser Welt kreieren: ich.

Sichtbarkeit

Zum anderen gibt es Parallelen auf der Meta-Ebene des Marketings. Wie schaffe ich es als Künstlerin, mich von den Millionen anderer Kunstschaffenden und ihrer Werke abzuheben? Was lässt Menschen innehalten und bewegt sie dazu, sich meine Bilder näher anzuschauen? Die ultimative Lösung habe ich ehrlich gesagt noch nicht. Aber ich muss zumindest viele kleine Lösungen finden, um sichtbar zu werden und zu bleiben. Mit und ohne Honig.

Schwarz-Weiß-Zeichnung mit pflanzen- und tierählichen Elementen, die miteinander verschlungen sind. Methapher für lautes Grundrauschen
Wie hebe ich mich mit dem, was ich tue, von der Masse an anderen Angeboten ab, ohne im Grundrauschen unterzugehen?

Selbstvermarktung

Zum dritten – eng mit dem letzten Punkt zusammenhängend – brummt auch der Kunstmarkt ganz gewaltig. Die heutigen Möglichkeiten der Selbstvermarktung sind großartig. Einerseits. Anderseits wachsen damit die Herausforderungen. In meiner Wahrnehmung gibt es immer mehr Kreative, die genau die Menschen finden wollen, die von ihrer Kunst angesprochen werden. Das führt zu einem extrem lauten Grundrauschen. Und macht es häufig sehr anstrengend, zumal wenn man wie ich nicht gerade zu den Marktschreiern gehört und gehören mag.

Fazit

Wie wäre es mit dem Kunstreiche-Prinzip – die Methode, wie ich mit meiner Kunst reich werden kann? Falls ich es entdecke, schreibe ich einen Blogartikel darüber. Auf dem Weg bis dorthin bin ich einfach glücklich damit, Kunst machen zu dürfen. Das Prinzip der Dankbarkeit trägt ja auch zum positiven Lebensgefühl bei. Und das weiß ich ganz ohne Coaching.

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Links:

  • Das Prinzip, wie man sich stetig weiter entwickeln kann: Raus aus der Komfortzone. Rein ins Vergnügen
  • In diesem Blogartikel schreibe ich über vieles, womit ich mich in meinem Alltag als Kunstschaffende beschäftigen muss (Selbstmarketing gehört leider auch dazu): Was macht eine Künstlerin eigentlich den ganzen Tag?
  • Meine Netzwerkkollegin Carmen Reuter ist Coach. Außerdem schreibt sie ganz wunderbar und erfrischend – ich jedenfalls halte immer inne, wenn ihre Newsletter ins Postfach flattern. Diesen Artikel über süße pelzige Tiere könnte man auch als Eichhörnchen-Prinzip titulieren…

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4 Kommentare

  1. Liebe Dagmar,
    momentan schwirrt und brummt es ganz gewaltig in der Coaching-/Online-Blase. Das nehme ich genauso wahr wie du. Wie man sich abheben soll und ob man sich überhaupt abheben soll/will, das sind große Fragen!
    Ich mag dein Fazit. Es ist ein guter Anfang, wenn man glücklich damit ist, seine Arbeit zu machen :-) !
    Liebe Grüße, Eva

    Antworten
    • Große Fragen, in der Tat. Manchmal hab ich das Gefühl, dass es nur geht, wenn man viele kleine Antworten findet… Liebe Grüße, Dagmar

      Antworten
  2. Liebe Dagmar,
    sorry für die Frage, aber warum so negativ?
    Wenn ich in meiner Karriere in der Werbung eines gelernt habe, dann dass man damit keinen Blumentopf gewinnt.
    Die meisten von uns sind in einer ähnlichen Lage. Von unseren Auszeichnungen (viele) in der Werbung können wir uns heute nichts mehr kaufen.
    Aber ich habe festgestellt, das es Leuten unangenehm ist, wenn man offen über Probleme spricht.
    Gerade unsere Zielgruppe – Leute mit ausreichender finanzieller Ausstattung – geht dann auf Abstand.
    Ausserdem steckt immer noch so viel Werber in mir, dass sich ein „mir geht’s grad nicht so gut“ absolut verbietet. Im Gegenteil: smile and fake it till you make it. Das Glück scheißt immer auf den dicksten Haufen also mach ihn nicht auch noch kleiner…
    Grüßle
    Robby

    Antworten
    • Hallo Robby,
      spannend, dass du das als „negativ“ empfindest. Ich versuche in meinem Blog einfach nur ehrlich zu sein. Und wie ich von sonstigen Rückmeldungen gespiegelt bekomme, empfinden das viele als erfrischend oder sogar ein stückweit erleichternd, weil es endlich mal jemand aussspricht. Du sagst „Ich habe festgestellt, das es Leuten unangenehm ist, wenn man offen über Probleme spricht.“ – genau das versuche ich anders zu machen. Herausfordererungen sollten angesprochen werden, umso mehr in einer Welt, in der so vieles „instagrammiesiert“ und glattgebügelt inszeniert wird. Wie sonst lassen sie sich lösen? Ich mag lieber wahrnehmen, dass es auch Dinge gibt, die nicht so rund laufen – sowohl bei mir als auch bei anderen Menschen. Und ich schreibe so, wie ich es gerne lesen würde. Es kann ja jede/r für sich entscheiden, ob er daran andockt oder nicht.
      Du sagst „Gerade unsere Zielgruppe – Leute mit ausreichender finanzieller Ausstattung – geht dann auf Abstand.“ – und deshalb soll ich nicht meine Meinung sagen? Sorry, aber das ist nicht meine Art. Ich lächle dann, wenn mir danach ist, nicht, um falsche Tatsachen vorzutäuschen oder KundInnen Honig ums Maul zu schmieren. Ich mache Kunst, weil ich genau diese machen will – nicht weil sie sich gut verkauft. Und es gibt Menschen, die das wertschätzen.

      Antworten

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