Pay to Play

von | Kurz & knackig

(„Bezahlen um mitzuspielen“,  to pay [engl.]: bezahlen, to play [engl.]: spielen)

Stellen Sie sich vor, Sie bewerben sich auf eine Stelle. Damit Ihre Unterlagen überhaupt angeschaut werden, müssen Sie erstmal Ihre Geldbörse öffnen. Sie werden dann sogar ausgewählt – doch, um Ihren Schreibtisch beziehen zu dürfen, arbeiten sie den ersten Monat umsonst. Lohn gibt es ausschließlich, wenn der Laden gut läuft – und zur Belohnung für Ihren Beitrag am Umsatz bekommen sie dann aber auch nur einen Teil ihres Lohns ausgezahlt.

So ungefähr fühlen sich Kunstschaffende heute: Bezahlen, um sich überhaupt bewerben zu dürfen, bezahlen für die Räume, die zur Verfügung gestellt werden, 25–50% Provision für Verkaufe abgeben. Manchmal tritt nur eins davon auf, manchmal sogar alles zusammen.

Das Perfide: Anbieter, die entdeckt haben, dass Kunstschaffende ziemlich viel tun, um die ersehnte Sichtbarkeit zu erlangen (oder zumindest meinen, sie zu erlangen), sind mit diesem Geschäftsmodell auf der sicheren Seite. Sie bekommen auf jeden Fall ihr Geld, selbst wenn sie keinen Finger rühren, um die Kunst angemessen zu vermarkten oder wenn sie die Bilder so eng hängen wie Fische in einer Sardinenbüchse. Und die Ausstellenden? Investieren Zeit und Geld, Fahrtkosten und Miete und tragen das volle Risiko. Wenn nichts verkauft wird: Pech gehabt.

Das erinnert an die Druckkostenzuschussverlage, bei denen die Autoren bezahlen, damit ihr Buch veröffentlicht wird.

Ist das fair? Natürlich nicht. Doch solange es mehr Kunstschaffende gibt als seriöse Ausstellungsmöglichkeiten, und der Drang, ausstellen zu dürfen, groß genug bei ausreichend vielen ist, wird dieses Modell weiter existieren. Online-Galerien betreiben es schon länger, selbst klassische Galerien springen mittlerweile auf diesen Zug auf. Sie argumentieren , dass sie ja zumindest einen gewachsenen Kundenstamm ins Rennen werfen können. Doch das Risiko tragen auch dann die Ausstellenden. Also diejenigen, die dafür sorgen, dass es überhaupt Produkte gibt. Und die eh schon vielfach am (oder unter dem) Existenzminimum leben. 

Ausstellungssetting
Ausstellungen können teuer werden

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