(von rotondo [italien.] = rund; Mehrzahl: Tondi, Tondos)

T⋅O⋅N⋅D⋅O – bereits beim lauten, langsamen Lesen das Wortes entsteht die Assoziation von etwas Rundem. Vielleicht weil es an Rondell erinnert? Jedenfalls ist das schon eine heiße Spur: Tondo ist die Abkürzung von Rotondo, was im Italienischen „rund“ bedeutet. In der Kunst ist damit ein kreisrundes Werk gemeint, deshalb auch der Name Rundbild. Es kann ein Gemälde oder ein erhabenes Relief sein.

Tondi gab es bereits in der Antike – nicht nur in der Malerei, sondern auch als dekoratives Element in der Architektur und Innenarchitektur, etwa an Aussenfassaden oder in Treppenhäusern und Eingangshallen. Beim Gang über den Friedhof lassen sie sich ebenfalls entdecken, etwa auf Grabsteinen.

Besonders beliebt waren Tondi in der Florentiner Kunst des 15. und 16. Jahrhunderts, deshalb beherbergen die Uffizien in Florenz auch eine besonders große Sammlung von Rundbildern.

Der (oder auch „das“) Tondo gehört zu den Bildformaten, ist aber im Gegensatz zu Hochformat, Quadrat und Querformat heute eher unüblich. Ähnlich wie das Quadrat hat es keine bestimmte Richtung und vermittelt dadurch Ruhe und Ausgeglichenheit, durch die runde Form auch ein schwebendes Gefühl. Gleichzeitig erzeugt der Kreis eine Abgeschlossenheit und visuelle Bündelung auf ein Zentrum. Er verleiht damit dem Inhalt Wichtigkeit und Würde. Zudem steht der Kreis für Vollkommenheit und – ähnlich wie die sich in den Schwanz beißende Schlange – für ewige Wiederkehr. Kein Wunder also, dass der Tondo in der italienischen Renaissance vor allem zur Darstellung von christlichen Themen und Heiligen benutzt wurde. Auch heute noch gibt es Kunstschaffende, die Rundbilder kreieren.

Spannende Kurzgeschichten

  • Fun Fact 1: Eine besondere Aufmerksamkeit hat vor nicht allzu langer Zeit das „Tondo de Brécy“ erfahren. In der Kunstwelt wurde schon länger diskutiert, ob es von Raffael stammt, da es einen Teil von seinem berühmten Gemälde „Sixtinische Madonna“ abbildet. Bisher waren die Experten sehr skeptisch, doch KI gelangte 2023 zur Einschätzung, dass das Rundbild mit hoher Wahrscheinlichkeit Raffael zugeschrieben werden könne. Die Kunsthistoriker sind allerdings nach wie vor keineswegs überzeugt.
  • Fun Fact 2: In der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin gibt es einen mit Tempera auf Holz gemalten Tondo. Dieser zeigt den Kaiser Septimus Severus (193–211 n.Chr.) zusammen mit seiner Frau Julia Domna und den Söhnen Caracalla und Geta. Bei genauem Hinschauen fällt auf, dass bei einem der Köpfe das Gesicht fehlt. Die Geschichte dazu: Caracalla ließ 212 seinen Bruder ermorden – und dessen Konterfei aus dem Tondo wegkratzen.
  • Fun Fact 3: Das Wort Tondo ist ein bisschen so wie die Weltsprache Esperanto: Es muss nicht übersetzt werden, sondern heißt in vielen Sprachen gleich. Ob der Begriff sich auch für andere Ohren so schön rund anhört (was man übrigens als Onomatopoesie bezeichnet – wenn das Wort so klingt wie seine Bedeutung), kann ich allerdings nicht beantworten.
Tondo Tafelbild der Familie des Septimius Severus
Tondo: Tafelbild der Familie des Septimius Severus Credit: Staatliche Museen zu Berlin, Antikensammlung /CC BY-SA 4.0

Links