Vernissage

von | Kurz & knackig

(vernis [franz.] = Lack, Firnis)

Kunstausstellungen werden oft einen Tag vor dem offiziellen Start feierlich eröffnet. Schicker als Einladung zu einer „Eröffnung“ klingt die zu einer Vernissage. Und ja: Die Aussprache ist französisch – mit einem langen a, gefolgt von einem weichen Ausklang aus „sch“ und einem kurzen gehauchten „e“ [vɛʁnɪˈsaːʒə].

Da sind wir schon beim Ursprung dieses Wortes. Es stammt vom französischen „vernis“ ab, was Lack oder Firnis bedeutet. Firnis wiederum ist ein Überzug, der einem Gemälde als letzte Schicht aufgetragen wird, um es vor den Unbilden des Lebens zu schützen. Das haben die Künstler früher kurz vor Ausstellungseröffnung gemacht und dann irgendwann mit Freunden gefeiert. Die Vernissage ist also ursprünglich das Fest, bei dem die Künstler das Überziehen mit Firnis zelebrieren: alles fertig zur Ausstellung!

Darüber gibt es etliche Geschichten. So machte sich der englische Maler William Turner einen Spaß daraus, seine Bilder bei solchen Gelegenheiten noch schnell so zu ändern, dass sie denen seiner Künstlerrivalen die Schau stahlen – etwa durch das Hinzufügen eines roten Farbkleckses, der aussah wie eine Boje und als spannender Hingucker fungierte.

Manchmal sind Vernissagen nur für besonders geladene Gäste, andere sind für alle Interessierten zugänglich. Das steht in der Regel auf den Einladungen. Zu Vernissagen muss man sich nicht besonders in Schale werfen (darf aber). Häufig gibt es Sekt und Häppchen, manchmal Musik oder Performances, meist auch Eröffnungsreden, die einen Einblick in das Werk oder die Biografie geben (von kurzweilig bis langatmig). Manchmal wird auch eine Führung durch die Ausstellung angeboten, wobei Führungen allerdings eher an Terminen stattfinden, wo die Gästezahlen überschaubarer sind. Bei Eröffnungen zeitgenössischer Kunst sind in der Regel auch die Kunstschaffenden anwesend und freuen sich über Gespräche (außer wenn sie ihre Meinung über die Kunst ihres Gegenübers abgeben sollen).

Hin und wieder gibt es dann auch noch eine Finissage („finir“ bedeutet im Französischen beenden) – quasi der feierliche Schlussstrich der Ausstellung. Üblicherweise findet die Finissage am letzten Tag statt, bevor alles wieder abgebaut und verpackt wird. Witzigerweise ist das mit dem Begriff der Finissage wie mit dem Begriff des Handys: Im Ursprungsland kennt den niemand. In Frankreich spricht man stattdessen von décroûtage, was auch Bdeutungen hat wie Abhängen, Abnehmen, aber auch Entrümpeln.

PS: Übrigens: Dass die Vernissage früher das Fest am Tag vor der eigentlichen Eröffnung war, erklärt, warum auf den meisten Einladungen das Vernissage-Datum nicht mit dem ersten Ausstellungstag übereinstimmt. Achten Sie doch mal darauf!

Bei den Vernissagen sind nicht selten mehr Menschen auf einmal zu Besuch als später während der Ausstellungsdauer. Hier die Eröffnung der Ausstellung Schwäbische Künstler in Irsee 2023

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