STAGE – eine neue Kunstmesse in Bregenz

von | 24. Februar 2024 | Kunst erleben

Eher zufällig entdecke ich eine Anzeige in einem hiesigen Veranstaltungsmagazin. Ich lese von einer neuen Kunstmesse hier um die Ecke – im Festspielhaus Bregenz, von meinem Atelier locker mit dem Fahrrad erreichbar. Das Wetter ist passabel, meine Vorbereitungen für die kommende Ausstellung sind weiter gediehen als gedacht, also beschließe ich spontan, mir die STAGE anzuschauen.

Das Festspielhaus Bregenz kenne ich von verschiedenen Veranstaltungen. Vor vielen Jahren habe ich im Rahmen eines spontanen Barcamps dort sogar meine Masterarbeit vorgestellt (und hatte immer gehofft, mit meinen Pop-up-Ideen in das Vorbereitungsteam der Bregenzer Festspiele eingeladen zu werden – war doch der damalige technische Leiter einer der Zuhörer. Man darf auch mal vermessen träumen). Jedenfalls bin ich gespannt, wie sich die Lokalität, die sich eher für Theater und Tanz, Preisverleihungen und Vorträge eignet, mit einem Messeambiente vereinbaren lässt.

Festspielhaus Bregenz, Blick ins Foyer
Festspielhaus Bregenz, Blick ins Foyer

Funktioniert eine Messe als Bühne?

Ich muss gestehen: erstaunlich gut. Die rund 45 vertretenen Galerien vor allem aus Österreich, Deutschland, Italien, Belgien, Liechtenstein und der Schweiz haben auf den verschiedenen Bühnen viel Platz, ihre Kunst zu präsentieren. Die Gesamtgröße der Räumlichkeiten ist angenehm in wenigen Stunden zu erlaufen, ohne dass man von der sonst bei Kunstmessen oft üblichen Vielfalt erschlagen wird.

„Influx und efflux“ – sieben monografische Präsentationen. Eine Bühne als Galerieraum

Die künstlerischen Positionen sind doch recht unterschiedlich, gut für eine Entdeckungsreise. So findet sich eine große Bandbreite an Techniken, Ideen, Umsetzungen. Die Qualität aus meiner Sicht an manchen Stellen herausragend, an anderen etwas weniger überzeugend.

Bei der STAGE im Festspielhaus Bregenz besonders schön: der Blick nach außen. Hier treten die Blau-Grau-Töne von See und Himmel in eine spannende Interaktion mit dem gelben Diptychon von Giulio Bonfante (Galerie Castiglioni).

Mein persönlicher Favorit: Hideyuki Ishibashi, vertreten von der Galerie IBASHO aus Antwerpen (die im Übrigen überhaupt ganz tolle künstlerische Positionen vertritt). Ich mag diese Art von Kunst: reduziert, nicht laut um Aufmerksamkeit heischend (und trotzdem sehr prägnant), individuell, mit einer Geschichte und Bedeutung. Und mit Wertschätzung für das Material. In solchen Momenten wünschte ich, mein Konto wäre besser gefüllt; mit dieser Kunst würde ich mich gern umgeben.

Hideyuki Ishibashi und Yoshinori Saito, vertreten von IBASHO aus Antwerpen

Angesprochen haben mich auch die kleinformatigen Arbeiten von Karl Kriebel, vertreten von der zs art galerie aus Österreich. Wenige Hinweise spannen einen Raum auf und regen die Fantasie an. Warum ich diese kleinen Formate um einiges spannender finde als seine größeren Werke in der gleichen Arbeitsweise (Mischtechnik auf Papier), darüber muss ich nachdenken. Ich vermute, es hat auch etwas mit Reduktion und Fokus zu tun.

Karl Kriebel, vertreten von der zs art galerie aus Wien (© Bildrecht)

Konzept und Kommunikation

Die inhaltliche Einteilung in „Interplay“, „Main“, „Art/ Design“, „Influx & Efflux“ sowie „See“ mit Fokus auf Fotografie wirkt auf mich zum Teil etwas gewollt und erschließt sich nicht stringent. Vielleicht fehlt mir da einfach der Zugang. Ganz verstehe ich auch nicht, wie das propagierte Konzept mit der Ausstellungssituation zusammengeht:

  • Zitat: „[…] verbindet zeitgenössische Kunst und Collectible Design mit der Gestaltung einer lebenswerten Zukunft“: mmh. Ja, ich sehe zeitgenössische Kunst. Ja, ich sehe Designobjekte und Kleinmöbel (ob die nun sammelbar sind oder nicht, sei mal dahingestellt). Aber bitte wo ist der Bogen zur lebenswerten Zukunft?
  • Zitat: „[…] achtet das neue Messeformat bei der Organisation auf nachhaltige Kriterien“ – ok, hört sich gut an. Aber was genau bedeutet das? Im Flyer steht, dass sich die STAGE Bregenz über mein mögliches umweltschonendes Kommen freut und die Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln empfiehlt. Ja nun, reicht das? Was wird sonst noch getan für das Label Nachhaltigkeit? Ich hatte ehrlich gesagt beim ersten Drüberlesen des Magazinartikels gedacht, es ginge um nachhaltige Kunst. Da sollte die Kommunikation nachgeschärft werden.
  • Zitat: „Mit dem Schauplatz im Angelpunkt der Vierländerregion Bodensee und der Kooperation mit ansässigen Kulturinstitutionen spiegelt das Programm […] die kulturelle und wirtschaftliche Vielfalt und Verbundenheit des grenzüberschreitenden Lebensraums wieder. (Und) soll die die kreative Vielfalt der Region […] zeigen.“
    Also ein „interregionales Messekonzept“? Ja nun, bei den aufgeführten Programmpartner:innen finden sich überwiegend regionale Institutionen, aber eben auch die Albertina Wien. Und bei den Ausstellenden und der Kunst wird herausgestrichen, dass diese international sind. Das geht nicht wirklich zusammen mit der Aussage, dass dieses Format eine „neue Bühne für zeitgenössische Kunst im Bodenseeraum ist.“ Vielleicht ist es auch nur unglücklich formuliert und meint, eine neue Bühne im Bodenseeraum, die (internationale) zeitgenössische Kunst zeigt. Auch hier könnte überdacht werden, was das Besondere an der neuen Messe ist und wie sich das gut vermitteln ließe.
  • Überhaupt die Texte. Bei der Beschreibung der Areale im Besuchsfolder wird ausgiebig in die Schatzkiste der nichtssagenden Worthülsen gegriffen: „Letztendlich feiert INTERPLAY die grenzenlose Souveränität der Kunst, wenn sie durch die Einzigartigkeit der Wahrnehmung in die Vielfalt der Erfahrungen betrachtet wird, in der jede:r Betrachter:in entscheidet, welche Art von Empfänger:in er /sie sein möchte.“ Alles klar?
„Photography: See“ im Raum Propter Homines. Arno Giesinger, einer der ausgestellten Künstler, war mein Dozent an der FH Vorarlberg. So viele Erinnerungen…

STAGE TREFF – das Rahmenprogramm

Dieses Format für das Rahmenprogramm finde ich sehr gelungen. Es schafft die Verbindung zu den Räumlichkeiten und ihre sonst eher üblichen Nutzung als Bühne (und damit zum Namen der Messe) sowie die thematische Klammer zu Nachhaltigkeit, Praktiken und Umwelt. Das zumindest ist die propagierte Idee.

„Stage Treff“ im Seestudio

Dafür gibt es pro Messetag 4–6 Panels im Seestudio des Festspielhauses, zu unterschiedlichsten Themen, von verschiedenen Personen moderiert und jeweils zum Thema passenden Gäste. Ich höre mir „Kunst im Wandel“ an, bei dem es um künstliche Intelligenz und Digitale Welten mit der Verbindung zu Kreativität geht. Etliche bedenkenswerte Impulse. Besonders Axel Stockburger – Künstler, Professor für Kunst und Kulturtheorie an der AdbK Wien – beeindruckt mich. Klare Gedanken, interdiszipliärer Blick, das Einordnen in gesellschaftliche Relevanzen: Von ihm würde ich mir sofort einen längeren Vortrag anhören. Ich frage mich im Anschluss an diese Podiumsdiskussion ernsthaft, ob die Malerei (als das Schaffen von Bildern) ausgedient hat.

Zur Qualität der übrigen Vorträge kann ich nichts sagen, die Themenvielfalt hört sich jedenfalls vielversprechend an.

Auf dem Heimweg lasse ich mich von der Kunst der Natur verzaubern.

Fazit

Die STAGE selbst hat mir gefallen. Ein spannender, unkonventioneller Ort für eine Kunstmesse sowie eine intelligente Verschränkung von Kunstanschauen mit Über-Kunst-hören und darüber Nachdenken. Nur die Kommunikation und Positionierung könnte aus meiner Sicht verbessert werden. Ich hoffe, es gibt ein nächstes Mal, sodass der Leiter Renger von den Heuvel und sein Team daran noch arbeiten können.

„STAGE Bregenz“ – Die neue Kunstmesse
22. bis 25. Februar 2024
Festspielhaus Bregenz
Eröffnung 22.2., 17 Uhr
23.2. 12–19 Uhr
24.2. 10–19 Uhr
25.2. 10–18 Uhr


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Tschüss Blockade, hallo Kreativität

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