Die Kunst der Stille

von | 14. März 2024 | Kunstwissen

Stille in der Kunst: Im Frühling erfüllt den Himmel ein Leuchten. Gemälde von Dagmar Reiche (Acryl auf Holz)

Über Stille zu schreiben oder gar zu sprechen, fühlt sich paradox an. Das ist ein bisschen so als beleuchte ich einen Raum, um Ihnen Dunkelheit zu zeigen. Auf den zweiten Blick ist das Thema allerdings gar nicht so absurd wie es scheint. Ein Plädoyer für die Stille.

  1. Prolog: Essen und Leben. Und was die Stille damit zu tun hat
  2. Die Definition von Stille – ein Panoptikum
  3. Licht und Schatten – Stille und ihre beiden Seiten
  4. Der Klang der Stille und andere Wahrnehmungen
  5. Warum Stille wichtig ist (und Lärm krank macht)
  6. Kunst und Stille
  7. Was Stille kann – meine Sicht

Prolog: Essen und Leben. Und was die Stille damit zu tun hat

Kürzlich war ich im engen Familienkreis abends richtig gut essen. Das Angebot war hervorragend, die Wahl fiel schwer. Und ich hatte Hunger. Wir haben gewählt und dann: Passierte erst mal nichts. Lange nichts. Wir warteten auf unsere Gänge. Der Koch ließ sich Zeit.
Zunächst war ich irritiert. Doch als das Essen dann endlich kam, hatte es etwas sehr Besonderes. Die Wertschätzung war groß. Der Genuss ebenfalls. Man nahm sich Zeit, den Geschmack auszuloten, die Feinheiten auszukosten. Zwischendurch wich das angespannte Gefühl – ein vollgepackter Tag, im Hintergrund das Wissen, was noch alles geschafft werden muss – irgendwann einem zufriedenen „Ich genieße jetzt den Moment und die entspannten Gespräche“. Am Schluss war ich genährt auf allen Ebenen.

Was wäre bei Fast Food passiert? Ich wäre schnell satt gewesen und hätte zügig weiterarbeiten können. Doch ich hätte mich nicht besonders toll gefühlt. Dem Körper hätte ich nicht viel Gutes getan. Und nach kurzer Zeit hätte mich nächste Heißhungerattacke überrannt.

Aquarellbild mit Kohlrabi.  Gesundes Essen ist besser als Fastfood
Frisch, lecker, gesund – besser als Fastfood….

So ähnlich ist es mit unserem oft hektischen Leben: ständig auf dem Handy scrollen, uns ins Partygetümmel stürzen, kontinuierlich zu neuen Veranstaltungen unterwegs sein: immer neue Reize, die uns kurzfristig den Kick der Glückshormone verschaffen, uns aber weder sättigen, noch nähren. Stille dagegen gibt uns die Möglichkeit, die Dinge wertzuschätzen, sie zu verdauen, ihnen nachzuschmecken. Sie von allen Seiten anzuschauen und nachzuspüren, was sie mit uns machen. Stille gibt uns Denkanstöße und Gesprächsmöglichkeiten.

Gemälde mit dem Titel "Leise, sonnig", das Stille zeigt. Acryl auf Papier
Leise, sonnig (Acryl auf Papier, 36×47 cm)

Was ist Stille – ein Panoptikum

Was ist Stille überhaupt? Wie so häufig hängt die Antwort davon ab, wer gefragt wird. Hier ein paar Beispiele:

  • Laut Duden ist die Stille ein „durch kein lärmendes, unangenehmes Geräusch gestörter Zustand“ – wird also definiert durch die Abwesenheit von etwas
  • Ähnliches gilt in der Physik: Stille ist die Abwesenheit von akustischen Reizen. Für Akustiker (und damit auf den Menschen bezogen) ist Stille Schall, der nicht mehr hörbar ist. Seine Energie ist zu gering, um vom menschlichen Ohr wahrgenommen zu werden, auch wenn er mit empfindlicheren Geräten durchaus noch messbar ist.
  • In der Nanotechnologie wird Stille viel umfassender definiert: Sie ist nicht nur die Abwesenheit von akustischen Reizen, sondern auch von anderen wie Vibrationen, elektromagnetischen Feldern oder Temperaturschwankungen.
  • In vielen Religionen ist die Stille ist der Zustand im Innern, der durch Mediation, Kontemplation, innere Einkehr erreicht werden soll: Ein Zustand ohne zu reden, zu denken, zu handeln, sondern nur zu sein. Gelassenheit und Gleichmut.
  • In der Philosophie wird Stille u.a. als ein Aussetzen des Bekannten, ein Umbruch und damit eine Möglichkeit für Neues beschrieben: Wenn alles still ist, geschieht am meisten”, so Kierkegaard. Und „Die größten Ereignisse – das sind […] unsre stillsten Stunden” schreibt Nietzsche.
  • Privat setzen viele Menschen Stille mit zur Ruhe kommen gleich – als Gegensatz zum hektischen, lauten Alltag.
  • Stille ist Wahrnehmung / Stille ist bewusstes Hinhören / Stille ist die Fähigkeit, die Welt zu hören / Stille ist ein Grundbaustein für emotionale Intelligenz / Stille sind Klänge / Stille ist des Menschen natürliches Milieu / Stille ist Leere  – dies sind Aussagen eines Dirigenten, einer Gesundheitsberaterin, einer Marketingexpertin, eines Reiseschriftstellers, eines Musikers, eines Umweltforschers und eines Neurophysiologen.
  • Stille und Ruhe werden häufig synynom benutzt, auch wenn sie sich im Detail unterscheiden. Ruhe kann auch Bewegungslosigkeit, Stillstand bedeuten, etwa beim Umkehrpunkt eines schwingenden Pendels. Ich denke, auch in der Musik gibt es einen Unterschied – Stille ist eher die geringe Lautstärke (also, wenn etwas sehr leise gespielt wird oder eine Pause da ist), während Ruhe eher die Art des Rhythmus meint (etwa ein „getragenes“ Musikstück). Auf den Menschen bezogen ist vielleicht Stille das, was von außen einwirkt und Ruhe, das, was und wie sich der Mensch fühlt („zur Ruhe kommen“). Impuls, um über die Unterschiede zwischen den beiden Begriffen nachzudenken, war übrigens die Frage einer Musikstudentin, die sie mir nach meinem Vortrag über Stille gestellt hat.
Lago Maggiore Energie; Acrylgemälde 40x60 cm
Am Lago Maggiore: Energie und Stille (Acryl auf Leinwand, 40×60 cm)

Licht und Schatten – Stille und ihre beiden Seiten

Der Begriff Stille wird gerade im Alltag meist mit dem Fehlen von etwas gleichgesetzt: Lautlos, ohne Geräusche, unhörbar, bewegungslos. Sie hat damit bereits einen Mangel eingeschrieben. Negative Konnotationen existieren auch in verschiedenen Sprachbildern: stilllegen, zum Verstummen bringen, die Totenstille und ewige Ruhe. Oder die Funkstille, bei der es an Kommunikation fehlt. Auch Redewendungen wie „peinliches Schweigen“, „unheilschwangere Stille“ und „Ruhe vor dem Sturm“ zeugen von der Assoziation mit unangenehmen Situationen.

Für andere Menschen ist Stille etwas Positives. Sie verbinden damit Energietanken, Kontemplation, Ganz-bei-sich-sein. Und sie brauchen die Stille, um ihre Batterien wieder aufzuladen. Diese Eigenschaften – Stille eher zu meiden oder zu suchen – werden häufig den extrovertierten bzw. introvertierten Menschen zugeschrieben.

Das Bild "Äquinoktium", also Tag-und-Nacht-Gleiche, steht für die positiven und negativen Assoziationen, die mit Stille verbunden sind
Äquinoktium, die Tag-und-Nacht-Gleiche. Licht und Schatten, zwei Seiten einer Medaille

Es ist interessant, wie zwiegespalten unser Verhältnis zur Stille ist. Wir sehnen uns nach ihr – nicht umsonst boomen Angebote wie Schweige-Retreats, Meditationswochen, Handy-Detox-Tage. Gleichzeitig besetzen wir die Räume mit Geräuschen, mit Lärm – selbst an Orten, die wir eher mit Stille assoziieren. Am Himmel ziehen pro Jahr über 30 Millionen Flugzeuge ihre Bahnen, stören Vögel, stoßen Kerosin aus und sind laut. Auf dem Schnee des Mount Everest hinterlassen jährlich über 600 Besucher ihre Fußspuren (und den Müll noch dazu). Eisbrecher bringen Touristen in die Antarktis, Wale und andere Meeresbewohner können sich nicht mehr verständigen, weil ihr Zuhause von Schiffsturbinen beschallt wird.

Wir sind umgeben von klingelnden Handys, böse piependen geöffneten Kühlschränken, Waschmaschinen, die laut fordern, dass man sie für die saubere Wäsche lobt. Das Auto warnt uns vor der Mauer an der Stoßstange, die Berieselung in Fahrstühlen weiß selber nicht, wofür sie gut ist. In den Ruhewaggons der Bahn sitzen Reisende, deren Stöpsel im Ohr weniger dazu dient, Außengeräusche abzuschirmen, als Musik oder Podcasts zu hören. Und in der Freizeit? Genießt man die laue Frühlingsluft am See genauso wie den Sundowner mit DJ und großer Freundesgruppe.

Und die Stille? Sie verkriecht sich verschüchtert mit dem Gefühl, nichts zu taugen, asozial zu sein, egoistisch, nicht zeitgemäß oder sogar verrückt.

Lago Maggiore Stille; Acrylgemälde 40x60 cm
Am Lago Maggiore: Stille, die gleichzeitig voller Energie ist (Acryl auf Leinwand, 40×60 cm)

Der Klang der Stille und andere Wahrnehmungen

Ein Forschungsprojekt hat im Jahr 2023 Erstaunliches zutage gebracht: Stille ist vermutlich mehr als die Abwesenheit von Lärm. Unser Gehirn nimmt sie offenbar nicht als Fehlen von etwas, sondern als eigenständiges Phänomen war. Es wurde einer Reihe von akustischen Illusionen ausgesetzt und reagierte zur Überraschung der Forscher in der Stille genauso wie bei sonstigen Geräuschen. Das würde bedeuten, dass wir Stille tatsächlich hören können.

Dazu übrigens noch eine kleine Anekdote: Die Londoner BBC sammelt die Stille für Vertonungen: Sie hat ein riesiges Archiv mit Aufnahmen von Schweige- und Stille-Momenten – etwa Nachtstille, Morgenstille, Stille in der Garage und im Bunker, Schweigen in der Stube.

Foto von Sonnenuntergang im Nebel am Bodensee. Die Stimmung wirkt sehr still
Nebel am Wasser – eine Situation, die wir meist mit Stille assoziieren

Stille lässt sich also offenbar hören. Und sie lässt sich spüren – man denke an die Redewendung „bedrückende Stille“ oder „die Stille genießen“.

Interessanterweise lässt sie sich auch sehen. Wir assoziieren mit bestimmten Bildern, Farben, Sujets etc. ruhige Situationen. Ein offenes Fenster, durch das ein Lichtstrahl fällt, der den Staub auf dem Tisch zum Leuchten bringt. Eine Klosterzelle. Eine weite Landschaft, in der sich der Himmel im Wasser spiegelt, Nebel am See.

Natürlich sind dies Idealbilder, Allegorien der Stille, damit verbundene Gefühle. Wir sehen nicht das Baby, das im Hintergrund schreit, weshalb die Mutter keine Zeit hat, den Staub vom Tisch zu entfernen. Wir sehen nicht die Geißel, mit der sich der Mönch in seiner Zelle gerade kasteit, weil seine Gedanken nicht so still sind, wie sie sein sollten. Wir sehen nicht das Rattern der Eisenbahn, das Läuten der Kirchturmuhr und die Kuhglocken.

Stille in der Klosterzelle. Mein Zimmer als Artist in Residence im ehemaligen Kloster Dornach
Klöster verbinden wir mit Stille. Hier das Zimmer meiner Künstlerresidenz im ehemaligen Kloster Dornach

Menschen, die sich für längere Zeit auf Stille eingelassen haben, berichten übereinstimmend, dass dabei bestimmte Phänomene bezogen auf Empfindung und Verhalten auftreten (von Sara Maitland in „Das Buch der Stille“ einprägsam beschrieben). Eines davon ist die gesteigerte Wahrnehmung aller Sinne. Jeder von uns kennt diesen Effekt in abgeschwächter Form, etwa wenn wir versuchen, einzuschlafen. Alles ist still. Und plötzlich ist da diese Fliege, die ständig gegen die Scheibe stößt. Oder der tropfende Wasserhahn, der bereits den ganzen Tag undicht war, aber erst in der Stille hörbar wird. Und den wir dann als furchtbar laut empfinden!

Warum Stille wichtig ist (und Lärm krank macht)

Wir haben keine Ohrenlider, wir können unseren Hörsinn nie abschalten. Die meisten Geräusche, die uns umgeben, sind zufällig und unangenehm. Wir versuchen Lärm auszublenden, das kostet Energie, selbst im Schlaf. Und selbst wenn wir uns vermeintlich an ihn gewöhnt haben, stört er unser Wohlbefinden.

Lärm beeinflusst uns auf vier Ebenen:

  1. Körperlich: Das Stresshormon Kortisol wird ausgeschüttet, was uns in Alarmbereitschaft versetzt. Die Atmung und Herzfrequenz werden schneller, der Blutdruck steigt, die Hirnwellen ändern sich messbar. Dauerstress macht nachweislich krank: Schlaf, Stoffwechsel und Hormonhaushalt werden beeinträchtigt, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt.
    Übrigens: Die Beeinflussung durch Geräusche kann auch positiv sein – man denke an Meeresrauschen, das mit 12 Zyklen pro Minuten unserer Atemfrequenz im Schlaf gleicht.
  2. Psychisch: Töne und Geräusche können unsere Gefühle beeinflussen, am stärksten vermag das Musik. Doch auch natürliche Geräusche lösen Emotionen in uns aus. So entspannt uns Vogelgezwitscher – weil es seit jeher ein Zeichen dafür ist, dass keine akute Gefahr besteht.
  3. Wahrnehmung und Denken: Wir können nur wenige auditive Informationen gleichzeitig verarbeiten. Deshalb ist Lärm extrem stressig. Je mehr Geräusche, desto geringer sind die geistigen Fähigkeiten. In lauter Umgebung wie in Großraumbüros kann die Produktivität um bis zu 60 Prozent absinken (selbst bei extrovertierten Menschen, die Lärm als weniger störend empfinden).
  4. Verhalten: Lärm oder unpassende Musik kann Fluchtreflexe auslösen, aggressive Musik das Fahrverhalten beeinflussen usw. Gut zu wissen für Ladenbesitzer – kann sich doch die Kaufbereitschaft signifikant vermindern, wenn die Hintergrundmusik in einem Geschäft als störend oder unpassend empfunden wird.

Ein paar weitere Zahlen gefällig?

  • Lärm: beeinträchtigt die Gesundheit von 25% der europäischen Bevölkerung – also fast 200 Millionen Menschen!
  • 2% der Bevölkerung in Europa leiden wegen Lärm unter Schlafstörungen (das sind rund 16 Millionen Menschen)
  • Schätzungsweise 200.000 Menschen in Europa sterben jährlich an den Folgen von Lärm
  • NIHD (noise induced hearing Disorder): Rund 10 Millionen Amerikaner sind von lärmbedingter Schwerhörigkeit betroffen; 16 % der amerikanischen Teenager leiden bereits darunter
  • Die WHO warnt davor, dass gerade bei jungen Menschen durch die Dauerbeschallung mittels Kopfhörern in den nächsten Jahren eine Epidemie an nicht reversibler Schwerhörigkeit auf uns zukommt. Sie schätzt, dass in den nächsten Jahren weltweit mehrere Milliarden Menschen betroffen sein werden.
Acrylgemälde in sanften Naturtönen, was mit stiller Weite assoziert werden kann
„Weitblick“ – Stille sehen (Acryl auf Leinwand, 60×80 cm)

Aus dem Gesagten folgt, dass Stille wichtig ist: Dauerfeuer von lauten Geräuschen fordert das Gehirn extrem, stört die Konzentration und macht uns krank. Umgekehrt vermögen bereits wenige Minuten in der Natur (oder sogar beim Betrachten entsprechender Bilder) die geistigen Batterien wieder aufzuladen („Theorie der Aufmerksamkeitswiederherstellung“ (Attention Restoration Theory, ART von Kaplan).  Und: Stille fördert die Kreativität. In unserem Gehirn befindet sich das sognannte „Ruhezustandsnetzwerk“ (Default Mode Network, DMN), das dann aktiv feuert, wenn wir zur Ruhe kommen. Es hilft uns dabei, kreative Ideen und Lösungen zu entwickeln. Zudem trainieren Menschen, die bewusst ihre Gedanken schweifen lassen, Bereiche im Stirnhirn, die besonders wichtig sind für die Kontrolle des eigenen Handels.

Zusammengefasst: Das Gehirn kann seine Ressourcen besonders gut regenerieren, wenn es möglichst wenig stressigen Input von außen bekommt, und Stille fördert gute Ideen: Also nach einem arbeitsintensiven Tag besser nicht Netflix schauen oder auf dem Handy scrollen, sondern ruhig am See sitzen oder durch den Wald streifen und die Gedanken auf Reisen schicken.

Übrigens: In den Supermärkten gibt es bereits seit einigen Jahren entsprechende Angebote gegen Reizüberflutung: die Stille Stunde. Dabei werden zu gewissen Uhrzeiten die Lichter gedimmt, die Musik abgestellt, keine Durchsagen getätigt und die Pieptöne der Kassen leiser gemacht. Ursprünglich war das Angebot gedacht für Menschen mit hochsensibler Wahrnehmung und Autist:innen. Interviews mit Kund:innen und Beschäftigten zeigen jedoch, dass auch andere Menschen dankbar sind für die Möglichkeit des reizarmen Einkaufens.

Spätsommer, die Farben tanzen noch, aber der Herbst und stille Winter sind bereits spürbar. Acrylgemälde
Eines der Werke, die Jakob Wiersch in Musik übersetzt hat (zum Abspielen auf das Bild klicken). © Jakob Wiersch | Picture Scoring

Kunst und Stille

Über die Stille in der Kunst habe ich bereits in einem anderen Blogartikel geschrieben. Stille als Thema oder zentrales Element der Darstellung spielt in der Bildenden Kunst ebenso eine Rolle wie in der Musik, im Theater, im Film und in der Literatur.

Um mit Stille Resonanz zu erzeugen, müssen aus meiner Sicht und für mich persönlich vier Ebenen ineinandergreifen:

  1. Beim Erschaffen: Ich brauche Stille zum Arbeiten. Je weniger äußere Reize, desto besser. So kann ich z.B. beim Malen nicht Musik hören (außer das gehört explizit zum Konzept der Bildentstehung dazu)
  2. Im Werk: Das Bild selbst muss so gemalt sein, dass es – zumindest für manche Menschen – das Gefühl der Stille transportiert
  3. Der Betrachtende: Der Empfänger muss offen für Stille sein oder ein Bedürfnis danach spüren. Ist er gerade ruhig oder lustlos, braucht er vielleicht kein stilles, sondern eher ein energiegeladenes Bild.
  4. Umfeld: Die Umgebungssituation muss es erlauben, die Stille zu spüren. Ein kleines stilles Bild auf einer großen wuseligen Messe oder in einer U-Bahn-Station hat es viel schwerer, wahrgenommen zu werden als wenn es in einem Raum hängt, in den die Menschen kommen, um bewusst Kunst anzuschauen.

Was Stille kann – meine Sicht

Stille ist für mich kein Mangel an etwas, sondern Vielfalt. Ich finde, Stille lädt ein, genau hinzuhören und hinzuschauen. In ihr liegt das Vielschichtige, Tiefgründige. All die Abstufungen zwischen Schwarz und Weiß, die Zwischentöne, die die Vielfalt des Lebens spiegeln. Erst in der Stille kann ich anderen Menschen zuhören. Stille verführt mich zum Innehalten, um den Dingen auf den Grund zu gehen, statt auf der Oberfläche entlang zu hasten. Dann spüre ich, dass etwas in Bewegung kommt. Dann höre ich das Leise.

Fazit

Wir sollten der Stille mehr Raum geben, ihre Energie spüren und nachklingen lassen. Gerade weil wir von so vielen Geräuschen und Lärm umgeben sind.  Zur Ruhe zu kommen, ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit für unsere seelische und körperliche Gesundheit.

Ausstellung "Stille. Energie" im Heilig Geist Spital Ravensburg 2024

Dieser Text ist Grundlage meines Vortrags „Die Kunst, Stille zu hören“ , den ich im Rahmen meiner Ausstellung „Stille. Energie“, im Heilig-Geist-Spital Ravensburg gehalten habe.
Die Ausstellung ist noch bis zum 14. April 2024 anzuschauen.


Weitere Links

Quellen

Tschüss Blockade, hallo Kreativität

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