Kooperation KoKo Mail ART: Gemeinsam Kunst schaffen, statt im eigenen Saft zu köcheln

von | 18. Januar 2023 | Ateliergeflüster

Spätsommer 2021, fast 18 Monate Pandemie liegen hinter uns. Eine Künstlerkollegin fragt mich, ob ich mir vorstellen kann, bei einem bundesweiten Künstlerprojekt mitzumachen. Welche Frage: Natürlich möchte ich. Zu lange bin ich schon im Atelier ohne Sparringpartner, Dialog und Austausch. Wir telefonieren und ich erfahre ein bisschen mehr zu den bisherigen Überlegungen zum Projekt. Das wird spannend…

Nachdem das Projekt nun seit rund einem Jahr abgeschlossen ist, schaffe ich es endlich, zurückzublicken und meine Erfahrungen Revue passieren zu lassen. Gern nehme ich Sie mit auf die Reise.

Kooperation: Erste Ideen werden ausgebrütet

Das erste Telefonat: Meine Kollegin Brigitte Baumann erzählt mir, dass sie die Idee zusammen mit einer anderen Künstlerfreundin ausgeheckt hat. Impuls war ein Projekt vor vielen Jahren, bei dem Werke per Fax weitergeschickt und vom Empfänger bearbeitet wurden. Außerdem hat Brigitte schon an einem anderen Kooperationsprojekt teilgenommen, bei dem Originale nacheinander von verschiedenen Künstler:innen weiterbearbeitet wurden. Nicht ohne Herausforderungen, doch immer spannend.

Heutzutage scheint das Ganze einfacher, hat doch jede:r einen Internetanschluss und die Möglichkeit, Dateien per Mail zu verschicken. Etwas einzuscannen oder abzufotografieren, ist auch kein Hexenwerk. Damit ist die aktuelle Projektidee geboren: KoKoMail ART – Kooperation, Kommunikation und Kunst, digital verschickt. Was sich im ersten Moment ganz einfach hört, offenbart im Verlauf seine Tücken. Später mehr davon…

Auf jeden Fall habe ich angebissen. Die Vorstellung, mit elf anderen Kunstschaffenden aus ganz Deutschland an einem gemeinsamen Projekt zu sitzen, mag ich wirklich gern. Raus aus der Komfortzone zu kommen, setzt auch immer Adrenalin frei. Brigitte verspricht, mir die bisherigen Projektüberlegungen zu schicken.

Von der Idee zur Umsetzung

Einige Zeit später flattert die Projektbeschreibung in mein Postfach. Wow: Da ist bereits eine Menge an Gehirnschmalz eingeflossen, ich sehe die glühenden Verschaltungen und rauchenden Kopfe förmlich vor mir. Grundsätzlich geht es darum, dass DinA4-Blätter nacheinander von mehreren Künstler:innen bearbeitet werden. In welcher Technik, ob analog oder digital, ist völlig frei – nur das Format und der Terminplan sind fix. Die Kommunikation bzw. Weitergabe der Arbeiten erfolgt per Mail.

Es soll vier Gruppen mit 3 Teilnehmenden geben, jeweils eine:r davon Gruppenleiter:in. Brigitte und ihre Freundin sind Gesamtprojektverantwortliche und gleichzeitig Gruppenleiterin jeweils einer Gruppe. Sie bestimmen jeweils eine der beiden anderen Leiter:innen. Damit stehen diese vier fest, die wiederum jeweils ein weiteres Gruppenmitglied akquirieren, welches dann das dritte Gruppenmitglied mit ins Boot holt. So soll eine dynamische Mischung an Teilnehmenden entstehen, die auch räumlich möglichst weit verstreut sein sollen.

Am Anfang werden pro Gruppe zwölf Arbeiten (von jedem 4) in den Ring geworfen, die im Wochenrhythmus zunächst innerhalb der Gruppen per Email rumgehen und damit immer eine neue Bearbeitungsschicht erfahren. Dann werden diese jeweils 3-mal bearbeiteten Blätter per Mail in die nächste Gruppe gegeben und dort nach dem gleichen Prinzip weiterbearbeitet. Pro Woche muss also jede:r immer wieder 4 neue Blätter bearbeiten; nach 3 Wochen ist ein Phase beendet und die Arbeiten gehen an die nächste Gruppe. Damit hat nach 4 Phasen = 12 Wochen jede/r Teilnehmende die insgesamt 48 Blätter einmal bearbeitet.

Klingt kompliziert? Ist es häufig auch.

Das sind die jeweils vier Anfangsbilder in unserer Gruppe: hier die von Birgit Kühr
Die vier ersten Bilder von Claudia Brasse
Meine vier ersten Werke (Fotografien des Asphalts vor meinem Atelier)

Die Herausforderungen – und was ich daraus gelernt habe

Wie auch sonst im Leben, lässt sich nichts bis ins kleinste Detail vorausplanen. Je größer ein Projekt und je mehr Beteiligte, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit für Überraschungen und umso mehr Flexibilität ist vonnöten. Das wiederum erhöht die Herausforderung für diejenigen, die die Eckpunkte festlegen und justieren müssen.

Procedere

Das genaue Vorgehen, wer wann was macht, wird am Anfang mehrfach abgeändert, bis es stimmig und die Arbeit gleichmäßig verteilt ist. Das führt zu Irritationen und unterschiedlichen Durchgängen bei der Bearbeitung. 

  • Learning 1: Man sollte darauf vorbereitet sein, dass der Teufel im Detail steckt.  Am grünen Tisch lassen sich nicht alle Tücken vorhersehen. Die Zuständigkeiten müssen klar definiert sein. Eine entsprechende Kommunikation ist wichtig.

Dateinamen und -arten

Die Benennung der Daten wird heiß diskutiert. Spätestens nach der zweiten Runde ist auch allen klar, warum das so wichtig ist: Welche Datei muss ich jetzt bearbeiten? Welche weitergeben? Woran sieht man, welche Datei von welcher Gruppe und aus welcher Woche ist? Zudem sind die weitergegeben Dateiformate unterschiedlich und nicht jede:r kann alles bearbeiten: PDF, PNG, JPG…

  • Learning 2: Je mehr Teilnehmer und Dateien bei einem digitalen Projekt, desto wichtiger ist eine stringente Vorgabe bei der Datenspeicherung…

Verteilung der Werke

Wer bekommt überhaupt die Dateien. Und welche? Nur die jeweils letzten? Alle, die nach dem jeweiligen Gruppendurchgang in die beiden Organisatorinnen geschickt werden? Oder jede:r bekommen alle Zwischenstände? Habe ich immer die/den gleichen Vorgänger? Das ist nicht klar definiert und wird deshalb in den Gruppen unterschiedlich gehandhabt. Zudem sind die Bedürfnisse unterschiedlich. Wir drei in unserer Gruppe finden es spannend, Seitenwege zu gehen und den Prozess zu sehen – und deshalb sinnvoll, auch die Zwischenstände zu bekommen.

Aus meiner Sicht haben die Endergebnisse letztlich gar nicht mehr viel mit mir zu tun. Faszinierend ist dagegen das, was dahin führt: zu sehen, wie andere mit den Werken umgehen und dies mit den eigenen Ideen oder Seitenwegen zu vergleichen. Auch für eine Ausstellung fände ich es weitaus spannender, auch die Wege zu den finalen Werken zu zeigen.
Wir diskutieren das in der großen Runde, kommen aber zu keinem Konsens. Also bleiben wir in unserer Gruppe transparent (alle Zwischenstände liegen für uns drei zugänglich in einer Dropbox). Von den Varianten der anderen Gruppen sehen wir aber nur die Endzustände der uns vorgelagerten Gruppe aus der letzten Woche vor dem Gruppenwechsel.

  • Learning 3: Was ist wichtig bei solch einem Projekt? Das ist vielleicht am Anfang schwierig zu definieren und individuell sicher sehr unterschiedlich. Um möglichst viele Optionen für jede/n offen zu halten, finde ich es sinnvoll, alle Daten transparent für alle sichtbar vorzuhalten. Wer nicht alles sehen mag, guckt halt nicht rein, die anderen können sich inspirieren lassen oder ihre eigene zusätzliche Projektagenda daraus entwickeln.

Zeitkoordination

Wann genau werden eigentlich die Daten verschickt? Vor dem Wochenende oder danach? Wann ist die jeweilige Deadline – morgens, mittags, abends? Der Termin ist nicht unwichtig, schließlich gibt es immer nur eine Woche als Zeitfenster, in dem man ausdrucken, bearbeiten, einscannen und weiterschicken muss. Ganz schön knackig, ist aber die einzige Möglichkeit, alles unter einen Hut zu bringen. Alle sind voneinander abhängig: Wenn eine Teilnehmerin oder eine Gruppe später abliefert, haben die anderen weniger Bearbeitungszeit. Im weiteren Verlauf stellen wir fest, dass auch noch Urlaubszeiten und Feiertage anstehen. Um den Druck etwas rauszunehmen, werden zeitlich Puffer eingebaut, sodass sich das Projektende nach hinten verschiebt. Glücklicherweise wird niemand krank.

  • Learning 4: Von Anfang an sollten realistische Zeiten festgelegt und Puffer eingebaut werden. Vor allem wenn es eine wichtige Deadline gibt.

Formate

Es zeigt sich, dass zwar die Blattgröße, nicht aber das Format definiert ist. Hoch oder quer? Mit oder ohne Rand? Von jedem änderbar oder nicht? Das wäre auch im Hinblick auf eine weiterführende Aufbereitung, etwa in einer Ausstellung oder einem Katalog sinnvoll.

  • Learning 5: Bereits am Anfang sollte über das Ende hinausgedacht werden. Später ist das Kind in den Brunnen gefallen.

Bildqualität

Eine Auswahl von drei Bildern aus dem letzten Durchgang in unserer Gruppe in der ersten Phase. Alles noch sehr behutsam und harmonisch. Doch bereits hier zeigen sich Inkongruenzen in Bezug auf Format, Scan- und Farbqualität.

Je mehr Durchgänge von Bearbeitung, Einscannen und Weiterbearbeitung, desto mehr leidet die Qualität der Bilder. Nicht alle der Teilnehmenden sind geschult im Aufbereiten der Daten, in der Nachbearbeitung mit einem Fotobearbeitungsprogramm. Die Farbwelt, Dateigröße etc. ist nicht definiert, Die Qualität der Scanner ist ebenfalls unterschiedlich. Manche scannen mit Rand, andere mit einem anderen oder ohne. 

  • Learning 6: Gerade bei einem digitalen Projekt müssen die technischen Eckpunkte und Erfordernisse geklärt werden, um die Datenqualität zu gewährleisten. Wenn nach dem 12. Durchgang nur noch graue Suppe zu sehen ist, ist das wenig befriedigend.

Treffen

Innerhalb meiner Gruppe gibt es einen regen Dialog. Wir schreiben Mails, verabreden uns zu Zoom-Meetings, tauschen uns über die Herausforderungen, Schwierigkeiten und Fragen aus. Als Gruppenleiterin sorge ich dafür, dass diese ggf. zum zweiköpfigen Orga-Team weitergeleitet werden. Das scheint in den anderen Gruppen jedoch unterschiedlich gehandhabt zu werden – manche reden miteinander, in anderen macht jede:r ihr/sein Ding.

Spätestens nach dem ersten Gruppenwechsel wird klar, dass eine gruppenübergreifende Kommunikationsstruktur definiert werden sollte. Es werden Zoommeetings initiiert. Doch nicht alle von uns sind mit der Technik vertraut oder haben Lust dazu. Auch Termine, an denen möglichst alle können, sind schwierig zu finden.

  • Learning 7: Bereits zu Beginn sollten Termine für digitale Treffen festgelegt werden, an denen sich möglichst alle beteiligen. Nur so kann ein bundesweites Email-Projekt gut funktionieren.
Drei der 12 Dateien, die wir in Phase 2, also am Anfang der 4. Woche, von unserer Nachbargruppe zur Weiterbearbeitung erhalten

Kommunikationsstrategie 

Sollen wir das Projekt und sein Prozess nach außen kommunizieren? In welcher Form? Was ist mit den sozialen Medien? Auch hier zeigt sich, dass die Teilnehmenden extrem heterogen aufgestellt sind und das Interesse daran sehr unterschiedlich ist. Schade, schließlich ist solch eine Kooperation prädestiniert dazu, über soziale Medien verbreitet zu werden. Innerhalb unserer Dreiergruppe handhaben wir es so, dass jede über Instagram oder Facebook postet, wenn und wie sie mag und wir aufeinander referenzieren. Eine gemeinsame Webseite oder wenigstens einen entsprechenden Hashtag gibt es leider nicht. Trotzdem bekommen wir immer wieder interessierte Fragen und Rückmeldungen.

  • Learning 8: Ein zeitlich begrenztes digitales Kooperationsprojekt sollte von Anfang an von Kommunikationsmaßnahmen im Internet begleitet und entsprechend koordiniert werden. Alles andere ist eine vertane Chance.
Ab und zu poste ich etwas über KoKO Mail ART auf meinem Instagram-Account. Die beiden mittleren Fotos zeigen Seitenwege, die ich in den ersten Wochen parallel beschritten habe. Geplant habe ich, das durchgehend während der 12 Wochen zu machen; ehrlich gesagt, halte ich das nur 2–3 Wochen lang durch.

Vermarktung

Wie ist es mit der anschließenden Vermarktung? Auch das diskutieren wir während einem der Meetings. Soll es eine Ausstellung geben? Lokal oder als Wanderausstellung? Oder mehrere dezentral? Wollen wir überhaupt ausstellen? Nicht jeder identifiziert sich mit den Ergebnissen, ist doch letztlich sehr wenig (oder gar nichts) von dem Eigenen darin erkennbar. Oder gibt es ein Buch dazu? Aber wie soll das vermarktet werden?
Letztlich einigen wir uns auf ein Set mit 12 Postkarten, jede/r Teilnehmer/in wählt aus dem letzten Durchgang ihren/seinen Favoriten aus. Ich erkläre mich bereit, als Grafikerin eine gemeinsame Form zu finden, schreibe den Text und kümmere mich um die Druckdaten und die Druckerei. Brigitte sammelt die Anzahl, die jede möchte, macht die Abrechnung und den Versand. 

Finde den Fehler … Bis die Druckerei akzeptiert hatte, dass beim Zusammenfügen des Postkartenblocks links etwas schief gelaufen war, vergingen einige Wochen

Die Druckerei baut Mist und fügt die Postkarten in falscher Reihenfolge zusammen, sodass das Deckblatt (auf dem das Projekt erklärt ist und alle Postkarten zu sehen sind) zum letzten Blatt wird. Eine Odyssee beginnt, die nochmals mehrere Wochen der Klärung, des Mailverkehrs und der „Beweis-Erbringung“ (es könnte ja sein, dass wir uns einfach neue Postkartenblöcke erschleichen wollen – und nein, EIN Foto zur Dokumentation reicht nicht…) benötigt. Am Schluss bin ich völlig entnervt. Warum passiert so etwas immer bei Dingen, die man einfach so, gerade mal eben nebenher macht? Aber am Ende klappt es und alle bekommen ihre georderten Mengen von 1–20 Postkartenblöcken.

  • Learning 9: Vertraue nie darauf, dass etwas mal eben so funktioniert. Auch hier: Der Teufel steckt in den Details. Und diese fressen Zeit.
6 der insgesamt 12 Postkarten – entstanden ist sehr unterschiedliche Kunst

Rechtliches

Am Anfang haben wir alle zugestimmt, dass die Daten von allen gezeigt und bearbeitet werden können. Trotzdem: In einem der Zoom-Meetings diskutieren wir darüber, wie wir das eigentlich mit der Rechtesituation handhaben. Wie ist das mit der Urheberschaft? Wenn eine/r zum Beispiel einen Zwischenstand bearbeitet und verkauft – ist es ihr/sein Werk? Oder müssen alle signieren und aufgeführt werden? Muss der eingenommene Betrag aufgeteilt werden? Wie ist es, wenn Collage-Elemente von anderen, etwa aus dem Netz verwendet werden? Gar nicht so einfach, wir reden lange darüber. Was ist mit denen, die beim Meeting nicht dabei sind? Deren Meinung muss natürlich ebenso berücksichtigt werden. Also gehen im Anschluss noch etliche Mails hin und her.

  • Learning 10: Bei einem künstlerischen Kooperationsprojekt sollte die Rechtesituation detailliert vorab geklärt bzw. festgelegt werden. Wenn man mitmacht, muss man diese akzeptieren. Und, aus meiner Sicht: So etwas funktioniert nur, wenn alle bereit sind, dass alle anderen mit den Werken weiterarbeiten und diese vermarkten können, wie sie wollen. Und jde muss garantieen, dass er die Rechte an zusätzlich verwendetem Material besitzt.

Kooperation und künstlerisches Schaffen – was lässt sich dabei lernen?

Die bisher genannten Punkte betreffen das Projektmanagement. Daran denkt man bei einem Kunstprojekt nicht unbedingt als Erstes. Doch es ist wichtig, solche Fragen frühzeitig zu berücksichtigen. Sonst plagt man sich mit einem Rattenschwanz an Folgethemen, die vielleicht die Freude am gemeinsamen kreativen Tun mindern oder zu richtigen Unsimmigkeiten in der Gruppe führen.

Zum Abschluss noch ein paar Gedanken zum kreativen Arbeiten. Auch da habe ich eine Menge mitgenommen. Dafür danke ich vor allem meinen beiden Buddies Birgit Kühr und Claudia Brasse. In unseren Meetings haben wir viel darüber diskutiert, was das Projekt auf kreativer Ebene für uns bedeutet, welche Aspekte zum Nachdenken anregen, was uns Freude macht und womit wir uns schwer tun.

  • Warum ist es so lch eine Herausforderung, etwas von anderen zu übermalen, selbst wenn man weiß, dass das Original trotzdem weiter existiert? 
  • Ist es schwer, die eigenen Sachen loszulassen und für die weitere Bearbeitung freizugeben? Oder ist das Loslassen hier sogar einfacher als wenn man sich nur mit den eigenen Werken beschäftigt?
  • Woran liegt es, dass es nicht so einfach ist, sich mit den Arbeiten zu identifizieren, wenn sie durch viele Hände gehen?
  • Was lerne ich daraus, wenn ich mir anschaue, was die anderen aus meinem Werk machen? Oder lerne ich vielleicht auch nichts daraus?
  • Warum waren die ersten Wochen so viel einfacher als die Folgenden? Hatte die Kommunikation innerhalb unserer Gruppe damit zu tun oder unsere Art, behutsam auf die Impulse der anderen zu regieren, Dinge aufzugreifen, statt sie einfach zu übermalen? Ist es einfacher, auf wenige künstlerische Handschriften zu reagieren als auf viele? Oder lag es einfach nur daran, dass zu Beginn die Eingriffe noch überschaubar sind, später dagegen, mit Zunahme der künstlerischen Positionen, die Inhomogenität wächst? 
  • Wie stark traue ich mich, Teile verschwinden zu lassen, die mich stören, die Komposition zu verändern? Also wie groß darf der Stempel sein, den ich setze? Ändert sich das im Zeitverlauf? Hat das mit meinem Ego zu tun? Darf ich am Schluss, im letzten Durchgang noch einmal etwas merklich verändern? Oder setze ich einfach nur einen kleinen Schlusspunkt (oder mache gar nichts)?

So unterschiedlich wir drei Künstlerinnen in unserem kreativen Schaffen und unserer Persönlichkeit sind, so befruchtend war unser Austausch. Kritisch und wertschätzend, differenziert und gleichzeitig oft sehr lustig. Genauso stelle ich mir eine Zusammenarbeit vor. 

Fazit

Das Kooperationsprojekt KoKo Mail ART war eine Herausforderung auf vielen Ebenen. Gleichzeitig hat es mir eine Menge Spaß gemacht. Ich habe einiges über mich und meinen Umgang mit der Kunst gelernt. Manches wirkt auch noch nach. Ich mag es, mir den Prozess anzuschauen, im Prozess zu lernen. Das Endergebnis ist zunächst zweitrangig und kommt dann von allein. Ich fand es inspirierend, Seitenwege zu erkunden, mit einzelnen Blättern weiterzuarbeiten. Überrascht war ich darüber, wie viel Freude mir auch das digitale Arbeiten bzw. die Kombination aus analog und digital gemacht hat. Ich finde es schwierig, Werke Anderer zu überarbeiten. Am ehesten fühle ich mich wohl damit, wenn ich gleichzeitig in engem persönlichen Austausch mit den jeweiligen Künstler/innen stehe. Also: Kooperation ja. Aber in kleinerem Kreis und definitiv im Dialog.

KoKo Mail ART
12 Kunstschaffende, 12 Wochen – ein kooperatives Kunstprojekt 2021/22

  • Brigitte Baumann, Wuppertal | www.brigittebaumann.de
  • Fred Böhme, Bad Frankenhausen | www.boehme-art.de
  • Claudia Brasse, Köln | www.labor-der-malerin.de
  • Sabine Hey, Bochum | www.sabinehey.de
  • Sabine Kremer, Wuppertal
  • Birgit Kühr, Lampertheim | www.textilkreativ.com
  • Carmen Levin-Stern, Erfurt
  • Dagmar Reiche, Lindau | www.kunstreiche.de
  • Katrin Roth, Duisburg | www.katrinroth-kunst.de
  • Sylvana on Ende, Saalfeld
  • Sophie von Hayek, Erfurt | www.sophievonhayek.de
  • Steffi-Babett Wartenberg, Weimar | www.wartenberg.design

Ein paar Postkartenblöcke sind noch vorhanden. Interesse? Einfach melden – für 10 Euro (inklusive Versand) sende ich Ihnen gern einen zu. 


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4 Kommentare

  1. Toller Artikel, liebe Dagmar. Du beschreibst auf den Punkt genau, wo die Stolpersteine und Herausforderungen lagen. Ich war sehr froh, zusammen mit dir und Claudia in einem Team zu sein. Das war sehr inspirierend und hat mir unheimlich viel Spaß gemacht.

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    • Danke für dein Feedback, liebe Brigit. Ich war ebenfalls sehr froh, mit euch beiden in einem Team zu sein. Und solche Projekte sind auch dazu da, zu lernen, was sich beim nächsten Mal noch besser machen ließe (davon abgesehen, dass sowieso jedesmal neue, unerwartete Herausforderungen anstehen. Aber das gehört wohl zum Leben)…

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  2. Liebe Dagmar,
    du beschreibst sehr anschaulich, welche Stolpersteine sich bei so einem Projekt auftun. Das ist ein toller Leitfaden für Kunstprojekte, samt spannenden Reflexionsfragen.
    Es ist faszinierend, was aus den Anfangsbildern geworden ist. Ich finde die Ergebnisse wunderschön!
    Liebe Grüße, Eva

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    • Liebe Eva, danke für dein Feedback. Ich denke, das Geschriebene gilt nicht nur für Kunstprojekte, sondern ist im Prinzip auf viele andere Projekte anwendbar. Der Prozess war wirklich extrem spannend – mit den Zwischenständen weiterzuarbeiten, steht auch auf meiner Want-to-Do-Liste. Mal schauen…

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