20 Tipps, wie Sie garantiert ein langweiliges Bild malen

von | 1. Januar 2023 | Kunstwissen

kunstreiche Kunstwissen 20 Tipps fuer langweiliges Bild | Malen

Das Internet ist voll von Ideen und Anleitungen, wie Sie es schaffen, ein richtig gutes Bild zu kreieren. Aber wie geht ein schlechtes? Hier ein paar Ideen dazu. Und ein paar extra Tipps, wie Sie vermeiden, überhaupt zu malen. Doch Achtung: Wenn Sie das Gegenteil machen, könnte es passieren, dass Sie Bilder produzieren und diese auch noch mögen.

  • Tipp Nr. 1: Der einfachste Tipp: Nehmen Sie sich ganz fest vor, dass es ein richtig gutes Bild werden soll. Machen Sie das zu Ihrem Mantra: „Das wird ein richtig gutes Bild“. Sie wissen schon: Wenn Sie es nur richtig anfangen, dann können Sie Ihre Gedanken manifestieren. Und wann es dann nicht gut wird, können Sie sich so richtig drüber ärgern. Dann wird es beim nächsten Mal vermutlich noch schlechter.
  • Tipp Nr. 2: Denken Sie an das Ziel. Oder noch besser: Denken Sie daran, dass Sie Ihr Bild auf jeden Fall verkaufen wollen. Das hilft ungemein dabei zu verkrampfen. Und das wiederum führt mit großer Wahrscheinlichkeit zur Schockstarre vor der weißen Leinwand oder zu einem Werk, das zum Ladenhüter wird.
  • Tipp Nr. 3: Orientieren Sie sich an einem Vorbild. Dabei nicht kleckern, sondern klotzen. Also am besten jemanden aussuchen, der so richtig erfolgreich ist, einer der ganz Großen. Und jemandem, von dem jeder sagt, er sei ein Genie. Also – je nach persönlicher Vorliebe – jemand wie Michelangelo, Albrecht Dürer, Claude Monet, Picasso, Gerhard Richter, Jean-Michel Basquiat. Und dann nehmen Sie sich vor, dass Ihr fertiges Werk mindestens genauso gut sein soll wie das Ihres Vorbilds. Das ist nicht nur ein erfolgreicher Weg für ein schlechtes Bild, sondern für eine extra Portion Frust.
  • Tipp Nr. 4: Schauen Sie sich jeden Tag auf Instagram, Facebook, Tictoc, Youtube & Co um, am besten mehrmals. Nehmen Sie die Accounts von Künstlern, die Sie richtig gut finden. Und am besten solche, die erfolgreich sind (oder zumindest zu sein scheinen). Das Gute: Dann werden Sie kein schlechtes oder gutes Bild malen. Sondern den Pinsel gar nicht erst anfassen. Weil: So gut zu sein, das schaffen Sie nie!
  • Tipp Nr. 5: Alternativ: Melden Sie sich zu einem Malkurs an. Und verbringen Sie diesen damit, umherzugehen, Gespräche mit den anderen anzufangen (statt zu malen) und sich frustriert zu fühlen, dass alle anderen so gut sind, besseres Material haben und so viel produzieren. Sie können sicher sein: Falls Sie sich dann trotzdem irgendwann trauen zu beginnen, werden Ihre Bilder bestimmt schlechter sein als die der anderen.
  • Tipp Nr. 6: Nehmen Sie zum Malen die Farben, die Sie immer nehmen. Und bei denen Sie ganz sicher wissen, wie sie wirken und sich mischen lassen. Nehmen Sie genau wie immer die Leinwand (oder das Papier) in der Größe, mit der Sie sich wohl fühlen. Wenn Sie alles wie immer machen, können Sie nichts falsch machen. Aber eben auch nichts besser – also klare Langeweile-Garantie!
  • Tipp Nr. 7: Überhaupt: Machen Sie grundsätzlich alles wie immer. Bleiben Sie auf der sicheren Seite. Bloß keine Experimente, die bringen nur alles durcheinander. Und möglicherweise kommen Sie damit in einen Flow, bei dem Sie die Kontrolle verlieren. Das wollen Sie doch ganz und gar nicht.
  • Tipp Nr. 8: Nehmen Sie Vorlagen und malen Sie diese 1:1 ab. Sie wollen ja vermeiden, dass sich Ihr eigener Stil entwickelt. 
  • Tipp Nr. 9: Planen Sie Ihr Bild bis ins letzte Detail. Und weichen Sie keinesfalls von Ihrem Plan ab. Zufälle und Abweichungen sind nicht erwünscht und werden ignoriert.
  • Tipp Nr. 10: Sie haben eine Idee, einen Plan? Machen Sie nicht mehr als genau einen Versuch, diesen umzusetzen. Schließlich sind Sie ein Genie und müssen nicht – wie Pianisten, Schauspieler oder kleine Kinder – alles mehrmals üben bis es klappt. Der erste Versuch ist in die Hose gegangen? Dann machen Sie bloß keinen zweiten. Sondern geben Sie auf.
  • Tipp Nr. 11: Sie sind mittendrin und wissen nicht weiter? Bewegen Sie sich nicht. Übermalen Sie keinesfalls das Bild, schon gar nicht die Stellen, die Sie mögen. Wenn überhaupt, malen Sie drumherum, Sie wollen ja nichts zerstören. Oder lassen Sie es am besten wie es ist. Es könnte ja sonst besser und interessanter werden. Außerdem: Mut wird definitiv überbewertet.
  • Tipp Nr. 12: Haben Sie keine Geduld. Tragen Sie am besten ganz viele Farben gleichzeitig auf, vermischen Sie diese kräftig auf dem Untergrund, solange sie noch feucht sind. Das wirkt besonders gut, wenn Sie leuchtende Farben mögen und Grautöne eher langweilig finden.
  • Tipp Nr. 13: Komposition wird überbewertet, machen Sie sich darüber keine Gedanken. Schließlich hat auch Jackson Pollock seine Farben einfach auf sein Bild getropft. Der Betrachter findet schon einen Weg durch das Bild, schließlich ist er alt genug.
  • Tipp Nr. 14: Es ist völlig unwichtig, was Sie dem Betrachter mit Ihrem Bild vermitteln wollen. Der wird schon irgendwas drin sehen. Im Zweifelsfall Ihre Meisterschaft.
  • Tipp Nr. 15: Denken Sie beim Malen immer daran, welche Ihrer Bilder sich bereits gut verkaufen oder eine positive Rückmeldung bekommen haben. Und dann malen Sie genau solche Bilder noch einmal. Never change a running System. Niemals!
  • Tipp Nr. 16: Machen Sie bloß nichts, was Ihnen Spaß macht. Wenn Sie merken, dass Ihnen das, was Sie tun, gerade richtig Freude bereitet, stoppen Sie sofort. Denken Sie dran: Sie haben einen Plan. Nicht der Weg ist das Ziel. Sondern der Weg dient dem Ziel! 
  • Tipp Nr. 17: Wenn Sie Ausstellungen besuchen, dann machen Sie das nicht, um sich inspirieren zu lassen oder um zu üben, wie Sie Bilder anschauen und bewerten können. Sondern lassen Sie sich frustrieren, dass es andere besser können, dass überhaupt alles schon gemacht ist oder – umgekehrt – sagen Sie bei jedem Werk „Das kann ich besser“. Also am besten überhaupt keine Ausstellungen besuchen.
  • Tipp Nr. 18: Lesen Sie bloß keine Tipps, wie Sie Ihre Kreativität entfesseln können. Die lenken nur von Ihrem wichtigen Tun ab. Wieso sollte zum Beispiel mit geschlossenen Augen und den Fingern zu malen zu einem repräsentativen Ergebnis führen?
  • Tipp Nr. 19: Weichen Sie nicht von Ihren Routinen ab. Malen Sie auf keinen Fall jeden Tag. Sondern warten Sie solange, bis Sie wirklich mal Ruhe und 10 Stunden am Stück frei haben. 
  • Tipp Nr. 20: Sie brauchen dringend die besten Materialien, die es auf dem Markt gibt. Und davon eine große Auswahl. Wenn Sie diese nicht haben, gehen Sie erstmal einkaufen (und keinesfalls vorher mit dem Malen beginnen!). Und denken Sie dran: Selbst wenn Sie schon richtig gute Materialien haben, schadet es nichts, sich vor dem Anfangen noch ein paar Youtube-Videos anzuschauen. Man kann schließlich nie genug wissen.
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Bloß nichts wagen. Und niemals auf ungewohntem Untergrund beginnen – sonst könnte es spannend werden …

Fazit

KEINE Veränderungen. NICHTS anders machen als sonst. KEINE Experimente. Kann man nicht oft genug wiederholen.

Ich gebe zu: Mir hat das Zusammenstellen dieser Tipps richtig Spaß gemacht. Schließlich weiß ich, worüber ich schreibe, kenne ich doch viele dieser Situationen aus eigener leidvoller Erfahrung. Und ich merke, dass ich nach wie vor immer wieder in etliche dieser Fallen laufe. Aber ich merke auch, dass ich immer besser darin werde, das zu erkennen und es dann anders zu machen. Ich hoffe, bei Ihnen ab und zu nicht nur ein „ertappt“- Gefühl erzeugt zu haben, sondern vielleicht ein Lächeln und einen Anreiz, es zu ändern. Viel Spaß dabei, denn das ist der Prozess des Malens: viel Spaß!


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2 Kommentare

  1. Und wie ich geschmunzelt habe über diesen Text, sogar gelacht, und mich erkannt in diesem und jenem. Zweifeln gehört zum Menschsein dazu. Auch beim Malen. Und welcher künstlerisch tätige Mensch kennt das nicht. Also mache ich mich doch auf den Weg heute Mal so ein richtig langweiliges Bild zu malen! Danke für diese 20 Anregungen dazu.

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    • ich freue mich schon darauf, dein nächstes „richtig langweiliges Bild“ anzuschauen :-)

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