Was kostet Kunst? So entsteht der Preis für Originale

von | 8. Januar 2022 | Kunstwissen

Zu fragen, was Kunst kostet, ist ungefähr so, als fragte man in einem Möbelhaus „Was kostet ein Regal? Wie bei Autos, Kleidung, anderen Produkten oder Dienstleistungen hängt auch in der Kunst der Preis von zahlreichen Faktoren ab. Ich versuche, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

  1. Was kostet ein Bild
  2. Den Kunstmarkt anschauen
  3. Preise festlegen
  4. Preiskalkulation nach Zeit und Ausgaben
  5. Was ist der Künstlerfaktor
  6. Festlegen des Künstlerfaktors
  7. Mit dem Künstlerfaktor rechnen
  8. Was kosten meine Bilder
  9. Preise kommunizieren

Zunächst vorab: Beim Festlegen, was ein Bild wert ist, gibt es aus meiner Sicht kein Richtig oder Falsch. Letztlich ist der Preis eine Zahl für den Markt, der darüber entscheiden kann, ob ein Kunstwerk jemanden findet, der bereit ist, diesen Geldbetrag dafür auszugeben. Das hat nichts mit dem ideellen Wert zu tun, die ein Bild für den Künstler oder Besitzer hat. Manche Bilder sind unverkäuflich, weil ihre Geschichte so persönlich ist, dass sich der Künstler (noch) nicht davon trennen kann. Andere sind Geschenke oder Erbstücke, deren persönlicher Wert für den Besitzer völlig unabhängig davon ist, ob und zu welchem Preis dieses Kunstwerk verkäuflich wäre.

Was kostet ein Bild?

Der Kunstmarkt ist auch für mich als Künstlerin oft ein undurchdringlicher Wald. Preise für die eigenen Bilder festzulegen, ist immer wieder eine Herausforderung. Gerade am Anfang haben Künstler oft keine Ahnung, was der mögliche Wert für ihre Kunstwerke ist.

Legen Künstler den Preis als zu niedrig fest, outen sie sich als ahnungslos oder, noch schlimmer, ihre Kunst wird als wertlos wahrgenommen. Sind die Preise zu hoch, werden sie als naiv verlacht. Zudem gibt es die ungeschriebene Regel, dass einmal festgelegte Preise für Kunst nicht fallen sollten. Vermutlich kommt dies daher, dass Kunstsammler nicht so begeistert sind, wenn sie merken, dass die gekaufte Kunst später weniger wert ist.

Übrigens: Ich rede hier nicht von Preisen, die bei Auktionen oder auf hochkarätigen Kunstmessen erzielt werden. Diese unterliegen anderen Bewertungsmechanismen. Sondern von Preisen, die auch Liebhaber von Kunst bezahlen können, wenn sie nicht zu den Millionären gehören.

Typisches Verkaufssetting auf Messen – hier mit einem meiner Bilder auf der RedDot/Art Miami

Den Kunstmarkt anschauen

Beginnenden Künstlern ebenso wie denjenigen, die das erste Mal Kunst kaufen, wird oft empfohlen, sich auf dem Kunstmarkt umzuschauen. Auch ich gehe auf Messen und Märkte, in Ausstellungen und Galerien und gucke, was „übliche“ Preise für vergleichbare Kunst sind. Seit einigen Jahren ist der Preisvergleich einfacher, weil er auch online möglich ist. Was im Umkehrschluss aber auch bedeutet, dass für uns Künstler die sichtbare Konkurrenz größer ist.

Wichtig zu bedenken: Das Umfeld, in dem die Kunst präsentiert wird, spielt für den Preis eine beträchtliche Rolle. Bilder, die in Cafés hängen, auf Kunsthandwerkermärkten oder in Do-it-yourself-Shops angeboten werden, erzielen in der Regel geringere Preise als solche, die in einer etablierten Galerie hängen. Kunstmessen, auf denen die Künstler selbst ihren Stand bespielen, sind tendenziell niedrigpreisiger als Messen, auf denen Galerien viel Geld in die Hand nehmen, um die Standgebühr zu bezahlen.

Überhaupt: Häufig erhalten Sie Kunstwerke, die von den Kunstschaffenden ausschließlich selbst vermarktet werden, günstiger als Werke von Künstler:innen mit Galerievertretung. Nicht überraschend, wenn Sie bedenken, dass Galerien mit rund 50% am Verkauf eines Kunstwerks beteiligt sind. Übrigens finde ich das bei guten Galerien völlig in Ordnung. Sie kennen schließlich ihren Markt, haben ein großes Netzwerk und tun sehr viel dafür, ihre Kunst zu verkaufen. Ob Online-Galerien diese Margen ebenso wert sind, wage ich zu bezweifeln. Aber darüber muss ich wohl mal einen extra Blogbeitrag schreiben.

Preise festlegen

Um den Preis für ein Kunstwerk festzulegen, gibt es verschiedene Möglichkeiten.

  • Individuell: Ich kann einfach meinem Gefühl folgen. Was bedeutet dieses Bild für mich? Wie viel Arbeit habe ich hineingesteckt? Wie sehr mag ich es (oder auch nicht)? Markiert es für mich einen Durchbruch, den Beginn etwas Neuem? Hab ich mich schwer getan oder war das Malen leicht und spontan? Fällt es mir schwer, es wegzugeben? Oder freue ich mich darüber, in welche Hände es gerät? Diese Dinge können eine Rolle spielen, wenn ich einen Preis festlege. Letztlich drücke ich mit diesem Preis aus, was das Bild mir wert ist.
  • Nach Zeit und Ausgaben: In vielen Branchen ist es üblich, bei Preiskalkulationen die Arbeitszeit und sonstige Kosten wie Material, Reisen Telefonkosten etc. in Rechnung zu stellen. Bei Handwerkern kennt das wohl jeder. Selbst bei Pauschalangeboten – wie ich sie etwa in meiner Tätigkeit als Buchgestalterin oder früher Lektorin ab und an mache – ist die voraussichtlich benötigte Arbeitszeit für die verschiedenen Tätigkeiten plus ein Anteil für Auslagen Grundlage für die Kalkulation. Die veranschlagte Zeit wird dann mit einem Stundenhonorar multipliziert, dessen Höhe wiederum von vielen Aspekten abhängt. Marktübliche Stundensätze, die Expertise, das Alleinstellungsmerkmal der angebotenen Tätigkeit, bei lokalen Angeboten die Konkurrenz vor Ort und vieles mehr.
  • Nach einem bestimmten Schema: Bei dieser gängigen Variante der Preisbestimmung in der Kunst arbeite ich mit einem sogannten Künstlerfaktor. Der Vorteil ist eine konsistente Preisgestaltung.

Als Künstler den Preis individuell nach Bauchgefühl festzulegen, ist möglich. Ich finde es jedoch einfacher, dafür ein stringentes System zu verwenden.

Kunst in meinem Galerieraum – für alle Exponate muss ich einen Preis festlegen

Preiskalkulation nach Zeit und Ausgaben

Für ein Kunstwerk funktioniert diese Art der Kalkulation im Prinzip ebenso wie in anderen Branchen. Ich überlege mir die Kosten und die benötigte Zeit, die ich mit einem bestimmten Stundenlohn multipliziere.

Aspekte, die in die Kostenkalkulation einfließen

Hier einige wichtige Aspekte, die bei dieser Form der Kalkulation einfließen müssen. Diese Liste ist nicht vollständig und sieht auch für jeden Künstler anders aus.

  • Was kosten die Farben, Leinwände, das Papier, der Rahmen?
  • Was sind die anteiligen Kosten für die Pinsel und andere Hilfsmittel wie Bunsenbrenner für Wachsarbeiten, Verdünnungsmittel, Firnis, Papiertücher, Lappen, Fäden…?
  • Auch Kosten für Miete, Strom, Wasser und Abwasser, Kommunikationsmittel, Apps etc. werden anteilig umgelegt.
  • Die Zeit: Wie lange brauche ich für das Bild, für die Vorüberlegungen, die Skizzen, die Umsetzung mit mehr oder weniger vielen Schichten, die Fertigstellung? Wie viele Stunden muss ich danach reinstecken, um es zu rahmen, zu fotografieren, online zu stellen, um die Texte zu schreiben, die Rechnung und das Echtheitszertifikat zu erstellen? Auch die Zeiten für Ausstellungsbewerbungen, Bilder hin und her fahren, verpacken und versenden, Mails beantworten, Social Media bespielen usw. müssen anteilig berücksichtig werden.
  • Und nicht zu vergessen all die Dinge, die man als Soloselbstständige auch noch mit einkalkulieren muss, weil sich kein Arbeitgeber oder Zuständiger in der Firma darum kümmert – etwa die Computerprogramme auf dem neuesten Stand zu halten, die Presse zu informieren oder die Buchhaltung zu erledigen.

Den Stundenlohn bestimmen

Ähnlich wie der Künstlerfaktor, zu dem ich später noch komme, ist auch der Stundenlohn ein Multiplikator. Gerade Anfänger in der Selbstständigkeit sind überrascht, wie hoch er angesetzt werden muss, damit am Ende die Einnahmen die Kosten übersteigen und ein Betrag zum Leben übrig bleibt. Das mag für diejenigen, die Kunst als Hobby betreiben, weniger relvant sein – für professionelle Künstler ist es (über)lebenswichtig, auf einen angemessenen Stundenlohn zu kommen.

Zu diesem Thema gibt es viele Quellen im Netz, betrifft das doch nicht nur Kunstschaffende, sondern alle, die nicht als Angestellte, sondern als Selbstständige arbeiten. Deshalb hier nur ein paar kurze Überlegungen. Ein Angestellter bekommt sein Gehalt, egal, was er während seiner Arbeitszeit macht. Krankheitstage werden bezahlt, eine bestimmte Anzahl an Urlaubstagen ebenso. Bei Selbstständigen ist das anders: Selbst wenn sie in der KSK sind (und dann wie Arbeitnehmer ihre Krankenkassenbeiträge nur anteilig bezahlen müssen), brauchen sie für die Urlaubs- und Krankheitstage einen Puffer, ebenso wie für Zeiten für Akquise, Ausstellungsbewerbungen usw. Auch wenn oft an Sonn- und Feiertagen oder in den Abendstunden noch Dinge erledigt werden – keiner kann 365 Tage im Jahr durcharbeiten. Und eine finanzielle Altersrücklage sollte möglichst auch noch aufgebaut werden.

All solche Aspekte müssen in die Berechnungen des Stundenlohns einfließen. Je nach Verbindlichkeiten und Aufwand bleibt von angesetzten Stundenlohn oft weniger als die Häfte bis zu einem Drittel übrig.

Nachteile der Kostenkalkulation

Dieses Vorgehen, Preise in der Kunst nach Kosten und Zeit zu bestimmen, hat allerdings etliche Nachteile. Es ist kompliziert, weil der Preis im Prinzip für jedes Bild neu ausgerechnet werden muss.

  • Wie soll ich eine Zeiterfassung für die Arbeit am Werk machen? Oft arbeite ich in Serien oder ein halb fertiges Bild steht eine Weile, bevor ich weiter male. Ehrlich gesagt habe ich auch keine Lust, mir einen Wecker zu stellen, um zu überwachen, wie viele Minuten oder Stunden ich jetzt konkret an der Staffelei gestanden habe. Ich schaffe es ja meist nicht einmal, während des Prozesses ab und zu ein Foto zu machen, um hinterher vergleichen und lernen zu können.
  • Außerdem impliziert diese Kalkulation, dass ein Bild, für das ich mehr Zeit benötigt habe, auch mehr wert ist. Oft ist das bei mir jedoch anders herum: Ich empfinde ein Werk, das spontan entstanden ist, nicht selten wertvoller als eines, bei dem ich mich schwer getan habe und ganz viele Schichten, Übermalungen und Korrekturen benötigt habe, bis es fertig war. Zudem laden manche Techniken eher zum spontanen, schnellen Agieren ein als andere. Und ehrlich gesagt möchte ich den Wert meiner verschiedenen Bilder nicht danach bemessen, wie viel Zeit ich dafür gebraucht habe.
  • Zudem: Mit dieser Berechnung wird die Expertise bestraft – je mehr Erfahrung ich habe, desto schneller arbeite ich. Ok, ich kann dann meinen Stundenlohn anpassen, das funktioniert in der Kunst vielleicht sogar eher als in anderen Branchen, wo Aufträge oft nach der Höhe der Stundenlöhne vergeben werden (nicht selten eine Milchmädchenrechnung, aber das ist ein anderes Thema). Trotzdem ist das nicht befriedigend. Abgesehen davon gibt es langsame Maler und schnelle Maler. Die Geschwindigkeit sagt aber nichts über die Qualität ihrer Kunstwerke aus.
  • Wie soll ich die anteiligen Materialkosten berechnen? Leinwand oder anderer Bildgrund und Rahmen sind klar – da kenne ich die Preise für das verwendete Material in entsprechender Größe oder kann es zumindest nachschlagen. Aber Farben? Pinselabnutzung? Restpapiere? Wasserverbrauch?

Vermutlich merken Sie schon: Diese Form der Preisfindung in der Kunst ist zumindest für mich sehr unbefriedigend.

Künstlerfaktor

Etabliert sowohl in Galerien als auch bei Künstlern, die sich selbst vermarkten, ist das Verwenden des sogenannten Künstlerfaktors. Das Prinzip der Berechnung ist einfach: Die Größe des Bildes wird mit einem für den Künstler individuellen Faktor multipliziert und ergibt so den Preis des Werkes. Das bedeutet, dass zu einem Zeitpunkt X alle Werke der gleichen Größe eines Künstlers den gleichen Preis haben.

Vorteile des Künstlerfaktors

Den Preis mihilfe des Künstlerfaktors festzulegen, hat mehrere Vorteile:

  • Der Künstler selbst muss nicht bei jedem Werk aufs Neue überlegen, wie hoch dessen Preis ist, sondern dieser lässt sich flugs nach dem immer gleichen Schema bestimmen (oder aus einer einmal erstellten Liste ablesen).
  • Steigt der Wert des Kunstschaffenden, etwa weil er bekannter wird, viel verkauft oder von einer Galerie vertreten wird, erhöht er einfach den Faktor und das wars.
  • Die Preise innerhalb eines Werkzyklus oder einer bestimmten Zeitspanne sind konsistent.
  • Zudem lassen sich damit ähnliche Werke verschiedener Künstler vergleichen. Und an der Kunst Interessierte können umgekehrt zurückrechnen, mit welchem Faktor gerechnet wird und schauen, ob sie das angemessen finden.

Nachteile des Künstlerfaktors

Ein paar Nachteile hat aber auch dieses verbreitete System der Preisbestimmung:

  • Für das Festlegen des Künstlerfaktors gibt es zwar Kriterien, diese sind aber nicht verbindlich geregelt. Das bedeutet, dass sie nur bedingt objektiv (und bei international hoch gehandelten Künstlern letztlich auch nicht mehr relevant) sind.
  • Ein Faktor für alles kann nur ein Mittelwert sein – er berücksichtigt im Einzelfall nicht den Wert des Trägermaterials, der Farben, ob mit oder ohne Rahmen. Da können sich zum Beispiel für Arbeiten auf Papier oder Leinwand zwei verschiedene Faktoren anbieten.
  • Werden die Preise mal mit, mal ohne Rahmen angegeben, sind die Werte für die eigentlichen Kunstwerke in sich nicht stimmig. Besser ist es deshalb, das durchgängig zu handhaben.
  • Nicht immer ist auf den ersten Blick klar, ob der angegebene Preis mit oder ohne Mehrwertsteuer ist. Je nach Bildgröße kann das durchaus einen respektablen Unterschied machen.
kunstreiche Kunstwissen was kostet kunst festlegen des Preises
Preise für Kunst festlegen – nicht immer einfach

Festlegen des Künstlerfaktors

Der Künstlerfaktor ist der Multiplikator, der zur Berechnung des Wertes eines Kunstwerks herangezogen wird. Er spiegelt quasi die Relevanz des Kunstschaffenden auf dem Kunstmarkt. Die genaue Aufschlüsselung, wie er in die Berechnung einfließt, folgt weiter unten.

Die Schwierigkeit ist allerdings, diesen Künstlerfaktor festzulegen. Grundsätzlich gilt: Am Beginn der Karriere ist er niedrig und er steigt mit dem Erfolg. Die Empfehlung, womit gestartet wird, gehen auseinander – die einen setzen 3 als Untergrenze, andere sagen, er sollte keinesfalls unter 4 bis 5 liegen, wieder andere meinen, dass zumindest Abgänger von einer Kunsthochschule nicht unter 10 anfangen sollten. Nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Es gibt bestimmte Kriterien, die bei der Festsetzung des Künstlerfaktors eine Rolle spielen. Dazu gehören:

  • Studium an einer Kunstakademie bzw. ein entsprechender Abschluss
  • Schüler eines namenhaften Künstlers (Meisterschüler)
  • Mitglied in einem künstlerischen Berufsverband wie BBK
  • Berufserfahrung
  • Auszeichnungen, Preise, Stipendien
  • Veröffentlichungen in der Presse, in Katalogen, Online-Artikeln, Medienpräsenz (TV, Rundfunk, Internet)
  • (Regelmäßige) Ausstellungstätigkeit, insbesondere bei jurierten Ausstellungen
  • Galerievertretung
  • Vertreten in öffentlichen und privaten Sammlungen, Museen, Stiftungen, Unternehmen etc.
  • Regelmäßige Verkäufe
  • Lehrtätigkeit, Tätigkeit als Referent:in
  • Regelmäßige Weiterbildungen
  • Aktives Mitglied in Künstlervereinigungen

Je mehr dieser Aspekte erfüllt sind, desto höher wird der Faktor angesetzt. Wie genau und zu welchen Anteilen diese einzelnen Aspekte einfließen, ist jedoch nicht definiert und wird von den Künstlern und/oder Galerien individuell festgelegt. Letztlich entscheidend ist, ob es gelingt, Kunstliebhaber zu finden, die bereit sind, den festgesetzten Preis zu zahlen.

Mit dem Künstlerfaktor rechnen

Je nach Region variiert der genaue Berechnungsweg etwas.

Im deutschsprachigen Raum und meines Wissens auch weiten Teilen Europas ist es üblich, die Länge und Breite eines Bildes zu addieren und das Ergebnis mit dem festgelegten Künstlerfaktor zu multiplizieren. Also (Breite plus Höhe) mal Künstlerfaktor. Beispiele:

  • Ein Bild hat die Maße 1,20 m × 0,80 m, der Künstler den Faktor 5. Dann würde das Bild Länge plus Breite in Zentimetern = 120+80, multipliziert mit 5, also 200 × 50 = 1.000 Euro kosten.
  • Ein Bild vom gleichen Künstler mit 60 × 40 cm hätte entsprechend einen Preis von 500 Euro ([60+40] × 5).
  • Ein Werk der Größe 60 × 40 cm von einem Künstler mit dem Künstlerfaktor 10 würde dann das Doppelte kosten, also 1.000 Euro ([60+40] × 10).

Im amerikanischen Raum wird oft pro Fläche gerechnet („Square inch formula“), also (Breite mal Höhe) mal Künstlerfaktor.

  • Der Faktor ist niedriger, sodass die sich ergebenden Preise etwa die gleichen wie bei uns sind, zumindest bei den mittleren Maßen.
  • Bei kleinen Bildmaßen sind mit dieser Formel Bilder günstiger. Mit der Größe des Bildes steigt der Wert allerdings exponentiell an, sodass für große Bilder ein Preis entsteht, der im Vergleich zu einem kleinen Werk sehr hoch erscheint.
  • Auch hier gehen die Empfehlungen für die Starthöhe des Faktors auseinander – manche nennen einen Faktor 0,5 oder 0,75 für Anfänger, andere legen als absolutes Minimum 1,5 fest.
  • Zu beachten ist, dass dies Angaben für Inch/Zoll und Dollar sind und für den deutschen Markt umgerechnet werden müssen.

Skulpturen und andere Techniken

Diese Berechnungsmethode mit einem Künstlerfaktor kann grundsätzlich auch bei dreidimensionalen Kunstwerken angewendet werden. Dann spielt noch die Tiefe des Objekts eine Rolle. Da die verwendeten Materialien oft sehr viel teurer als in der Malerei sind und es meist sehr viel länger dauert, eine Skulptur zu schaffen, sind dort allerdings ganz andere Faktoren üblich.

Für andere Techniken, etwa Textilkunst oder Tapisserien, wie sie der Wiener Künstler Felix Haspel macht, gelten individuelle Preisfindungsmodelle.

kunstreiche Kunstwissen was kostet kunst materialien
Papier, Filzpappe, Leinwand; Acryl, Zeichnung, Wachsarbeiten, Rahmen und Passepartout – die verwendeten Materialien und Bildträger sind relevant für die Kostenkalkulation.

Was kosten meine Bilder

Die Angaben bezüglich der Preisberechnung gelten für Originale / Unikate. Für Drucke gibt es wieder andere Regeln – abhängig davon, welche Art von Drucktechnik eingesetzt wird (künstlerische Druckgrafiken wie Radierung, Linolschnitt, Holzschnitt etc. oder Kunstdruck von Originalgemälden) und wie hoch die Auflage ist.

Ich habe mich dafür entschieden, für meine Unikate mit dem Künstlerfaktor zu arbeiten:

  • Für kleine Bildgrößen verwende ich die „Square inch formula“, ab einer Größe von 19 cm Seitenlänge die bei uns übliche Berechnung mit Länge plus Breite. So finde ich den Preis für kleine Formate nicht so hoch und bei großen Formate steigen die Preise wiederum nicht exponentiell an. Das erscheint mir angemessener, arbeite ich doch an einem Bild mit doppelter Länge und Breite nicht grundsätzlich viermal so lange.
  • Ich mache keinen Unterschied zwischen verschiedenen Materialien, sondern sehe es als Mischkalkulation. In Einzelfällen setze ich den Faktor etwas höher an, etwa wenn der Aufwand oder die Kosten für den Zusammenbau außergewöhnlich hoch sind.
  • Krumme Beträge werden auf 10er- oder 50er-Stellen gerundet.
  • Meinen Faktor überprüfe ich jährlich und passe ihn an.
  • Meine Preise sind inklusive Mehrwertsteuer – das ist für meine Kunden einfacher.
  • Und meine Preise sind inklusive Rahmen und Passepartout, sofern nicht anders angegeben.
Arbeiten auf Papier, aufgezogen auf Holz

Das ist übrigens ein weiterer Grund, warum ich preislich nicht zwischen den verschiedenen Bildträgern unterscheide – Papierbilder sind häufig aufwändiger/teurer gerahmt als Leinwände oder sind auf Holz aufgezogen. Abgesehen davon sehe ich Arbeiten auf Papier oder Holz als genauso wertvoll an wie solche auf Leinand. Und ich sehe auch keinen Grund, bei der Wertigkeit zwischen Öl, Acryl, Aquarell, Kohle und anderen Malmaterialien zu unterscheiden. Das ist zwar durchaus unüblich auf dem Kunstmarkt, wird aber auch von bekannten Kunstschaffenden so gehandhabt. Ein Beispiel ist Miriam Cahn, die ich 2019 kennenlernen durfte, als ich den Katalog für ihre Ausstellung im Kunsthaus Bregenz gestaltet habe.

kunstreiche Kunstwissen was kostet kunst katalog miriam cahn
Doppelseite aus dem Ausstellungskatalog über Miriam Cahn. Sie sieht Arbeiten auf Papier und mit Farbstiften als genauso wertvoll an wie solche auf Leinwand und mit Öl.

Preise kommunizieren

In die Kalkulation der Kosten fließen viele Überlegungen ein. Ich empfinde meine Preise als angemessen für mich, meine Kunst und meine Kunden. Deshalb gebe ich in der Regel auch keine Rabatte. Und mag auch nicht über die Preise diskutieren oder mich gar dafür rechtfertigen. Ein Interessent, der sich wirklich in eines meiner Werke so verguckt, dass er es haben will, wird auch den Preis dafür bezahlen wollen.

Preisdiskussionen

Ärgerlich finde ich auch, wenn Menschen es grundsätzlich anstößig finden, bei Kunst über Preise zu reden. Auch professionelle Künstler müssen zumindest etwas zum Essen kaufen und ihre Miete zahlen. Kunstmäzene und Millionenerbschaften sind genauso rar wie Förderungen oder andere Zuschüsse. Warum es anrüchig ist, etwas zu vermarkten, nur weil man es mit Liebe und Freude tut (oder weil es mit einem Nimbus umgeben ist), ist mir schleierhaft. Leider können von solchen Vorbehalten nicht nur Kunstschaffende, sondern auch andere Menschen, die im Kreativbusiness unterwegs sind, etwa Illustratoren, ein Lied singen. Deshalb werde ich in einer meiner nächsten Blogartikel über eine Studie zu den prekären Einkommensverhältnissen von Kunstschaffenden schreiben.

Noch eine Anmerkung zum Schluss

Erwarten Sie bitte nicht, dass Sie bei Künstlern, die von einer Galerie vertreten werden, Bilder direkt im Atelier günstiger erwerben können. Professionelle Künstler verkaufen ihre Werke immer zum gleichen Preis – egal ob direkt bei sich oder über ihre Galerie. Und sie informieren ihre Galerie, falls sie wirklich mal ein Werk selbst verkauft haben. Dies ist Basis eines Vertrauensverhältnisses. Ich wäre als Galeristin auch nicht besonders erbaut, wenn ich mich darum bemühe, einen Künstler aufzubauen und bekannt zu machen. Und hinterher erfahre, dass er das ausnutzt, um Direktverkäufe an mir vorbei zu tätigen.

Fazit

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Preis für Bilder festzulegen. Egal welche Variante eingesetzt wird, geht es letztlich um Folgendes: Der Künstler legt den Betrag fest, den er als angemessen sieht. Und der Kunstliebhaber kann bei Interesse an einem Werk schauen, ob er bereit ist, diesen Preis zu zahlen.

Weitere Links

Sie mögen kreativen Austausch?

Schicken Sie mir doch eine Nachricht. Oder teilen Sie Ihre Gedanken zum Artikel im Kommentarfeld weiter unten.

6 Kommentare

  1. Liebe Dagmar,
    danke, dass du zu diesem Thema schreibst. Ich finde es so wichtig das immer wieder zu betonen. Jeder Selbständige muss von seiner Arbeit Ausgaben bestreiten. Danke für die Offenlegung deiner Preisgestaltung und ja ich finde deine Preise angemessen. Da sollte man/ frau nicht diskutieren ;-)

    Antworten
    • Liebe Kathrin, du als kreative Selbständige kannst von diesem Thema sicher auch ein Lied singen. Umso mehr freue ich mich über deinen Kommentar! Danke & einen schönen Tag.

      Antworten
  2. Vielen Dank für diesen ausführlichen und offenen Artikel zu dem spannenden Thema Preise. Es hat viel Spaß gemacht, ihn zu lesen und mir gleich ein paar neue Einblicke gegeben.

    Antworten
    • Liebe Susanne,
      das freut mich sehr: Dass du dir die Zeit für einen Kommentar genommen hast, dass du den Artikel gern gelesen hast und dass ich dir sogar noch ein paar neue Blickwinkel schenken konnte. Danke dir!

      Antworten
  3. Liebe Dagmar
    Richtig gut geschrieben und bringt viel, denn die Preise für Kunst zu berechnen ist wirklich schwer. Das gibt eine tolle Übersicht und somit einen hilfreichen Wegweiser.

    Antworten
    • Danke, liebe Jacqueline, für dein Feedback. Super, das der Artikel hilfreich ist.

      Antworten

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.